Ballack-Blockade oder “Der Schenkelklopfer-Effekt”
August 2007 | Meinung von Sandra Simon | Neue Artikel per Mail erhaltenAls Sportler hinreissend als Werbe-Ikone zum Schreien: Die Rede ist von Michael Ballack.
Arrogant gönnerhaft hilft er im aktuellen Samsung-Spot einem verzweifelten Ehemann sich bei seiner hinter der verriegelten Tür heulenden Ehefrau einzuschleimen. Was ist das bitte für eine Story? Hier die Details - denn neben der nervigen “Please forgive me”- TV-Spot-Aktion wird nun auch vor Magazinen nicht Halt gemacht.

Was wir daraus lernen?
Werbemaßnahmen sind wichtig und bedeutsam für ein Unternehmen. Aber bitte verzichtet auf platte “Tränendrüsen”-Inhalte, die sowieso kein Mensch ernst nimmt - und dann noch mit Michael Ballack, der in dieser Rolle albern wirkt.
Wo wir schon beim nächsten Thema wären: Promis goes TV-Spots. Der Mehrwert ist auf beiden Seiten vorhanden. Die Promis verdienen sich eine goldene Nase und das Unternehmen profitiert vom Status. Nun mal im Ernst: Promis ziehen immer und das ist auch gut so. Aber bitte gebt den Stars und Sternchen Rollen, die auch passen. Thomas Gottschalk als kommentierfreudige Plaudernudel glaube ich, dass er auf Goldbärchen steht - und Jette Joop als hochgeschlossene “Krebsvorsorge”-Befürworterin ist noch ok. Aber unser geliebter Michael als kleiner Superheld mit Samsung-Telefon? Da stellen sich schnell weibliche Ballack-Blockaden ein und Nackenhaare auf. Wo ist unser WM-Held?
In diesem Sinn haben Werbung und Journalismus eines gemeinsam: Die Arbeit mit der Glaubwürdigkeit und Authentizität. Denn wenn eine emotional aufgezogene Werbekampagne zum Schenkelklopfer wird, hat sie wohl jede Wirkung verloren. So gilt, egal ob Werbung oder Journalismus oder PR, holt das Letzte aus Eurem Gegenüber heraus - lasst ihn in der Rolle aufgehen und wirken. Durchschaut, was zu ihm passt. Das Publikum wird es Euch danken. Und der “Schenkelklopfer-Effekt” gehört der Vergangenheit an.
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