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Der Titan bekennt Farbe

September 2007 | Meinung von Sandra Simon | Neue Artikel per Mail erhalten

sshot-4.jpgDie FAZ hat nun nicht unbedingt soviel mit Corporate Publishing zu tun - auf den ersten Blick. Beim genaueren Betrachten und der Tatsache eines neuen grafischen Konzeptes vielleicht doch. Der Titan wird nämlich künftig Farbe bekennen und auch Titelfotos auf der sperrigen Titelseite zulassen - in 4c wohlgemerkt. Eine Tatsache, die im Bereich Corporate Publishing nur ein Gähnen verursacht - zu verbreitet sind diese “Neuerungen” mittlerweile. Ein weiteres Novum ist das “Ausradieren” der Frakturschrift - FAZ-Jünger werden wohlweislich noch eine Weile daran zu knabbern haben. Aber mal ehrlich, wer benutzt denn noch Fraktur? Selbst in konservativen Kreisen hat man sich mittlerweile mit einer gepflegten “Minion” abgefunden.

Der Hauptaspekt jeder Veränderung jedoch ist das sinkende Interesse. Und bei der FAZ ist es leider so, dass der süddeutsche Konkurrent mit Siebenmeilenstiefeln vorbeizog - im Vorbeigehen hat er noch gleich Leser entrissen. Soweit so gut, doch es scheint, als springe auch der Titan unter den Tageszeitungen auf den Zug der “Wir-bringen-uns-mal-wieder-ins-Gespräch”-Kampagne à la Frankfurter Rundschau auf und gibt bereits vorab groß und breit bekannt: Layout neu - alles wird besser.

Was war denn nicht gut? Das konserverative Antlitz, dass sich jeder Manager zu Imagezwecken unter den Arm klemmte? Oder dass die Inhalte ungelesen zitiert wurden? Ein Tipp: Das eine geht nicht ohne das andere. Heißt soviel wie: Wer versucht sich zu verändern, muss das konsequent tun. Gehen Leser verloren, dann holt man sie nicht mit innovativer Gestaltung zurück, sondern auch mit guten Inhalten. Und das ist keine Erfindung eines wagemutigen CP-Helden. Nein, dass journalistische Qualität - sprich gute verständliche Inhalte und ein hochwertiges Layout - die Aufmerksamkeit der Leser steigert, haben wir der handwerklichen Erfahrung und Ausbildung zu verdanken.

In diesem Sinn, liebe FAZ, spart nicht an Aufsehen, setzt es aber gezielt ein. Denn eure Leser wollen nicht nur einen optisch schicken “Medienvertreter” an der Seite, sondern einen, der auch das hält, was er verspricht - im tiefsten Inneren jedes einzelnen Buches.

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