Die „airmail-Überraschung“: Spannung, Spaß - aber keine Schokolade
September 2007 | Meinung von Anne Linke | Neue Artikel per Mail erhaltenTypisches Gewimmel auf dem Flughafen: Passagiere kommen und gehen - andere verabschieden tränenreich Bekannte, die sie für lange Zeit nicht wiedersehen werden - genauso rührselig fallen sich Menschen in die Arme, die wieder zusammengeführt werden - hier und da sucht ein Polizeibeamter in Grün oder Zivil nach unlauteren Machenschaften. Da kann man schon mal die Orientierung verlieren.
Scheinbar geht es den Machern der Kundenzeitschrift /des Newsletters des Leipziger Flughafens nicht anders. Was ist der/die/das „airmail“, liebes Redaktionsteam? Auf der Homepage des Flughafens ist die Bezeichnung „airmail“-unsere Kundenzeitschrift zu finden. Einen Klick weiter ist dann von einem „periodisch erscheinendem Newsletter“ die Rede. Keine Zeit gehabt, lange über den Unterschied nachzudenken? Ist ja auch klar: Auf dem Flughafen ist man ständig in Eile.
Mit dem Zeitdruck im Nacken ist es kaum verwunderlich, dass man beim Öffnen der „airmail“ gleich ins Inhaltsverzeichnis fällt. Landebahn 4 - Titelblatt delayed. Vielleicht wäre dann wenigstens ein Foto zur Auflockerung der ersten Seite ratsam. Nein, die Redaktion setzt auf Fakten, Fakten, Fakten. Aber wenigstens mit dem Platz hätte sie ihren Lesern zu Liebe etwas großzügiger sein können und das Inhaltsverzeichnis nicht mit dem ersten Beitrag auf eine Seite quetschen müssen. Es reicht doch, wenn die Kunden der Billigairlines dieses Ölsardinen-Feeling am eigenen Leib erleben müssen..
Extrem kurze Beiträge, die sich auf eintönige elf Seiten drängen, keine persönliche Anrede der nicht erkennbaren Zielgruppe und die Deklarierung „Newsletter“ in der grafisch aufbereiteten Kopfzeile (übrigens einziges grafisches Highlight) deuten darauf hin, dass hinter der angekündigten Kundenzeitschrift doch etwas anderes steckt. Kurze, kostenlose, aktuelle und abonnierbare Unternehmensnachrichten für eine nicht klar definierte Zielgruppe – wer denkt da nicht an einen Newsletter?
Gegen die Einstufung als Newsletter spricht, dass man ihn nicht abonnieren muss und dass die sechs Fotos schon ziemlich unterhaltsam wirken. So lässt sich ein Unternehmensimage kreieren - wie es Zielstellung einer Kundenzeitschrift ist. Wer möchte aber ein Image, das von kleinen und statischen Bildern bestimmt wird? Eine Ausnahme bildet mein persönliches Highlight auf Seite sechs, wo es vier sagenhafte „Flughafenexperten“ im Kampf gegen die Langeweile des Kundenmagazins schaffen, alle in andere Kameras zu blicken. Das macht Spaß, fast so viel Spaß wie der kreative Umgang mit Überschriften: „Alles klar zur ersten Landung! - Neue Start- und Lan-debahn wird eröffnet“ (Zeichensetzung originalgetreu), „Die Games Convention (GC) hat wieder zehntausende FREAKS in die Messestadt Leipzig gelockt“ „Ein Flughafen ist immer interessant. Die einen fliegen in den Urlaub, die anderen starten zu einer Geschäftsreise.“ (sehr interessant!!!). Klingt das nach Fachmännern, die in wochenlanger Arbeit versucht haben ein qualitativ hochwertiges Kundenmagazin zu schaffen, um die Kundenbindung zu verstärken? Nein. Zu Hinterfragen bleibt, ob durch die „airmail“ wirklich Image und Vertrauen bei den Kunden aufgebaut werden und Kompetenz über das Geschäftsfeld des Flughafens hinaus demonstriert werden kann – eigentlich Definitionsmerkmale eines Kundenmagazins. In Lehrbüchern der Kommunikations-wissenschaft wird sogar die Zielstellung genannt, thematisch, textlich und optisch von ähnlich hoher Qualität zu sein, wie journalistische Magazine des öffentlichen Verkaufs. Davon kann bei der „airmail“ nicht die Rede sein.
Da fällt mir nur noch Eines ein:
Die „airmail-Überraschung“ - drei Dinge auf einmal: spannend wie ein Newsletter, spielerisch wie ein Kundenmagazin… und wo bleibt die Schokolade?
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