Die Magazinparabel
Juni 2007 | Meinung von Sandra Simon | Neue Artikel per Mail erhaltenEs war einmal ein junger CP-Redakteur, der hatte drei Magazine in seinem kurzen beruflichen Dasein produziert. Das erste bestach durch eine geradlinige, “saubere” Optik, Fotos und Illustrationen rundeten das Gesamtbild ab - alles war grafisch nahezu perfekt aufeinander abgestimmt. Das Zweite forderte besonders den intellektuellen Verstand der Leserschaft. Der Content, präzise recheriert und hervorragend nach allen Regeln der journalistischen Kunst aufbereitet. Er selbst war besonders stolz darauf, weil es authentische und glaubwürdige Inhalte bot. Das Dritte aber, ganz anders als die beiden davor, war sorgfältig nach den Wünschen seines Auftraggebers ausgerichtet. Viel Text mit ebenso viel Fotomaterial - in sich gedrungen und wenig leserfreundlich, das wußte er - trotzdem SEIN Produkt.
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Nun versuchte sich der junge CP-Redakteur zu orientieren: “Was ist denn nun das Nonplusultra?”, fragte er sich. Das Erste mit den bestechenden Fotos und Illustrationen? Das Zweite mit seinen authentischen Inhalten oder das Dritte - orientiert an den Wünschen des Auftraggebers? Er suchte Rat und ging zu einem weisen Journalisten. “Weißt du”, sagte dieser, ” es ist im Prinzip egal, was du tust, wichtig ist am Ende nur, dass du dich dabei verwirklichen kannst.” Da entgegnete der junge CP-Redakteur: “Naja, reich werde ich mit dieser Erkenntnis aber nicht - schließlich habe nicht nur ich zufrieden zu sein, sondern auch der Auftraggeber.” Mit diesen Worten verließ er den weisen Journalisten. Er grübelte lange über diese Zusammenkunft und stellte sich immer wieder die Frage, was ein Magazin perfekt macht. Und plötzlich wie er sie alle drei so vor sich liegen sah, wußte er es: Jedes Magazin für sich genommen war in sich perfekt, denn je nach Blickwinkel erfüllte es genau den Anspruch, den er gerade für diese Situation, für diesen Auftrag am Wichtigsten hielt. Er war glücklich, denn er musste sich keinem Anspruch unterwerfen, er musste nur gut balancieren lernen….
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In diesem Sinn: Die Ringparabel aus “Nathan der Weise” scheint noch heute wahr zu sein - denn ebenso wenig wie die Frage nach der wahren Religion beantwortet werden kann, kann auch nur ein Weg im Bereich Corporate Publishing der Wahre sein.
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