Neue Mitte
November 2008 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhalten
Die neue Mitte - wann hat dieser politische Trend eigentlich angefangen? Gefühlt in den 90er Jahren, als sich die beiden großen Volksparteien in Programm, Polemik und Punktgenauigkeit immer ähnlicher wurden, rot zu schwarz, schwarz zu rot wurde und langsam alle Farben begannen, in eine Richtung zu wandern – in die Mitte. Ist es da so spannend? Oder sind beim Treiben in die Mitte zentripetale Kräfte am Werk?
Nein – es ist einfach die Erkenntnis, dass man von hier aus einfach alles erreichen kann. Man muss sich nie für eine Seite entscheiden, kann in seinen Ansichten und (wirklichen) Überzeugungen hin und her springen, sieht aus jeder Position gut aus und ist durch mittel- bis ganz schwammige Parolen irgendwie von allen wählbar. Na prima.
Vergessen wird, dass der Trend, der sich „Neue Mitte“ nennt, nicht funktioniert. Zu mittig, zu aussageschwach, zu schlecht positioniert. Vielleicht erkennt das auch bald das Kundenmagazin von RWE, das im layout- und gestaltungstechnischen Streben in die schnittige Mitte einer jeden Doppelseite aufpassen muss, dass Worte und Texte nicht zerrissen werden. Der Energieversorger steht sonst durch den in der Natur einer Zeitschrift liegenden Falz in der Mitte irgendwann als RV VE da.


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