“Oh, … Toiletten..papier”
Januar 2007 | Meinung von Claudia Moebus | Neue Artikel per Mail erhalten
Es liegt auf meinem Tisch und versucht alles unter sich zu begraben… das “Bäderland Bayerische Röhn“. Doch was will mir das Tourismusmagazin im Giga-Format sagen? “Ich bin groß, quetsch mich in deine Handtasche und nimm mich mit!” Nur in einem Restaurant würde dieses Magazin (getarnt als Speisekarte) nicht auffallen. Denn das Format gibt wirklich wenig Anreiz zum gemütlichen Lesen.
Jedoch geb’ ich ihm eine Chance, mache Platz auf meinem Schreibtisch und begebe mich in das Innere des Monsters. Schließlich hat man bei der Größe auch viel Raum für gute Gestaltung.
Doch schon nach dem ersten Umblättern schrecken mein Finger zurück. Was ist mit dem Papier passiert? Aus einem schneeweißen, glänzenden und festen Papier der Umschlagseite ist im Innenteil ein hauchdünner, schmuddeliger Ökowisch geworden.
Okay, das ist ganz klar Zeitungspapier und dessen wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Faktor sollten man nicht unterschätzen…- aber warum erst hochwertigen Magazincharakter vortäuschen, wenn man es doch nicht halten kann?
Ich bin verwirrt und beäuge nun noch kritischer die inhaltliche Gestaltung. Auch wenn diese im guten Mittelmaß liegt und durch ihre klare Gliederung (sowohl farblich, als auch inhaltlich) durchaus Anreiz zum Lesen gibt, erschlagen mich auf jeder Seite die Anzeigen, die sich von unten nach oben bis zur Mitte des Blattes kämpfen und eindeutig gewinnen. Denn so ruhig und sachlich das eigentliche Layout in grau-blau gehalten ist, so grell und überladen sind die Anzeigen.
Und im “Bäderland Bayrische Röhn” werden wirklich nur die schönsten abgedruckt. Von Pflegeheim bis Trachtenmode ist alles zu finden und bei soviel optischem Chaos vergeht mir nach kurzer Zeit die Lust zu lesen. Schnell schlage ich das Magazin wieder zu, um zum Abschluss wenigstens noch einmal hochwertiges Papier in den Fingern zu haben.
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