Pockets kokettieren nach Lust und Laune
Oktober 2007 | Meinung von Sandra Simon | Neue Artikel per Mail erhalten
Ein Trend in der Publisher-Szene: Pockets. Magazine im “praktischen” Format, die in jede Handtasche passen - so werden die “Kleinen” umworben. Doch ist ein solches Format wirklich praktisch? Und sind wirklich nur Frauen von den Minis überzeugt? Auf den ersten Blick könnte man zumindest die zweite Frage mit ja beantworten. Denn im Zeitschriftenblog heißt es: “Etliche Verlage haben seither nennenswerte Verkaufserfolge mit den handtaschenfreundlichen Frauenzeitschriften erzielt.” Denn Verkaufszahlen sind es schlußendlich, die über praktischen Nutzen und Mehrwert entscheiden. Doch können Glamour, Elle und Jolie wirklich alle “im Mini” CPler überzeugen? Antwort: Nein.
Trend hin oder her: Pocket-CP kann funktionieren, muss aber nicht. Denn neben der gewohnten Publisher-Aussage: “Unsere-Zielgruppe-sind-nur-Frauen-ab-Mitte-Zwanzig” müssen wir CPler antworten: “Für uns ist die Zielgruppe und deren Bedürfnisse, das, was zählt.” Selbst wenn Pockets derzeit selbst vor Tageszeitungen nicht Halt machen - dort nur als Tabloid verkauft werden - heißt es noch lange nicht, dass sich die CP-Branche dem beugen muss und vor allem kann. Pockets kokettieren nach Lust und Laune - und das hat wenig mit Zielgruppenaffinität zu tun. Alles Mini oder was?
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Für mich ist die Frage nach dem Format zweitrangig. Klar, die “Kleinen” sind handlicher und wenn ich mir mal eine kaufe, dann lieber eine im Pocket-Format, weil sich das besser verstauen und auch lesen lässt. Wichtiger aber sind für mich die Inhalte. Und da muss ich gerade bei Glamour einen Totalabsturz in den letzten Jahren feststellen. Ich habe das Magazin nämlich von Anfang an gern gelesen, weil es bunte, gut recherchierte Beiträge, Glossen und Stories gab. Neben der obligatorischen Mode und Kosmetik, versteht sich. Inzwischen bremst auf jeder zweiten Seite eine Anzeige den Lesefluss, wenn man einen Artikel gefunden hat, der sich nicht platt mit Beziehungskram, sexuellen Vorlieben oder anderen vergleichbaren Inhalten beschäftigt. Die vorgestellte Mode ist - sorry - für meine Geldbörse und wahrscheinlich für 80% der restlichen Leser einfach unerschwinglich. Und die Kosmetiktipps ebenso, über die man eigentlich groß Anzeige schreiben müsste. Schade, dass in diesem Fall Kommerz über Journalismus gesiegt hat! Und Glamour damit in die Vergleichbarkeit abgerutscht ist.