“Mausgraues Nabelschnurblut”
Januar 2009 | Meinung von Sandra Simon | Neue Artikel per Mail erhalten
Informationsbroschüre - dieser Ausdruck lässt Lesern immer wieder gern die Haare zu Berge stehen. Impliziert wird doch, dass es sich um ein altmodisches “Faltblättchen” DIN “Klappmesser” handelt und sie irgendwie jeder hat. Doch - und ich möchte hier nicht die positive Keule schwingen, insbesondere nicht hier für das Thema Nabelschnurblut - es gibt Ausnahmen. Ja, es gibt wirklich Ausnahmen - zumindest solche, die so halbwegs “okay” sind. Eine davon ist die (und ich muss den Titel leider nochmal verwenden) Informationsbroschüre des Bundesverbandes für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz — Info Gesundheit e.V. (BGV). Und was ist an dieser Publikation positiv?
Nun zuerst einmal der Vertriebsweg: Das gute Stück ist nämlich ein pdf und das können noch immer nicht so viele Broschüren von sich behaupten - gerade dann nicht, wenn sie von Institutionen erstellt oder in Auftrag gegeben werden. Manko: Die lieben Layouter haben kein Bildschirmformat angelegt - und so scrollt man sich einen Wolf und schult den Zeigefinger auf der Maus.
Doch die Grafiker haben auch gute Arbeit geleistet: Das Layout ist frisch, das zarte lila mutet zwar etwas “mausgrau” an, aber die Positionierung der Bilder und Textbausteine lässt irgendwie auf Kreativität hoffen. Manko hier: Die dynamische Schrift mit Serifen passt irgendwie nicht so ganz zum “mausigen” Antlitz der (Achtung, ich verwende es schon wieder) Informationsbroschüre.
Zu guter Letzt der Inhalt: Es geht um Nabelschnurblut und dessen Anwendung. Ein Thema, das immer mehr Schwangere beschäftigt und immer häufiger auch nervt. Wird Frau doch zu oft überschwemmt mit verkaufslastigen Flyern. Da hat die BGV-Publikation glücklicherweise einige Spielregeln beachtet: Simple Fragen werden beantwortet - ohne in irgendeiner Weise andauernd die Einlagerung des Blutes zu feiern. Die Bilder - gut, sie sind etwas befremdlich, gerade dann, wenn Ärzte an einem Schwangerenbauch herum experimentieren. Doch alles in allem findet man Informationen rund um das Thema Nabelschnurblut und darf selbst entscheiden, wie man zu dem Thema steht.
Abschließend bin ich wohl noch einmal gefragt, um hier keine Tautologie bezüglich des Titels zu erzeugen: Ja, es werden Informationen geboten, die in einer Art Publikation zusammengefasst werden. Anglizismen wie Question-Sheet oder Paperback schließe ich aus - zu “englischlastig” ist der heutige Sprachgebrauch ohnehin. Aber es wäre wünschenswert, liebes BGV-Team, dass zumindest auf dem Titel steht, wozu die Leserschaft Informationen bekommt.
Nun zu meinen Vorschlägen: Hintergrundwissen für werdende Eltern, Basiswissen rund um das Thema Blut aus der Nabelschnur für Schwangere oder aber Antworten zu Fragen rund um Nabelschnurblut für werdende Eltern. Denn auf einen Flyer wird auch nicht geschrieben “Flyer der Haumichblau AG”, sondern mit schlagkräftigen Botschaften und Know-how gepunktet.


Publishing Lounge







