Hommage an die Tinte
September 2008 | Meinung von Tina Neundorf | Neue Artikel per Mail erhalten

In einer Zeit der Laptops und Blackberrys sind Zettel und Stift für Redakteure beinahe zu antiquierten Arbeitswerkzeugen verkommen. Nimmt man deshalb doch einmal wieder einen formschönen und funkelnden Füllfederhalter zur Hand, sieht das entstehende Schriftbild meist nur noch einer Grundschülerkrakelei ähnlich.
Auch die Redaktion der “KKH-Nachrichten” hat sich mit der traurigen Problematik der Buchstabenmisshandlung durch ungeübte Schreiberlinge befasst. Armseliges Ergebnis: drei Schreib-Fotos. Schreib-Fotos - das heißt, dass sich in diesem schönen Kundenmagazin gleich drei nahezu identische Bilder mit einem Stift auf Papier finden. Welch überbordende Kreativität!
Vielleicht aber auch ein Denkmal für diese aussterbende Kommunikationsform? Wenn dann, würden es die Helden sicher auch lieber einreißen. Aber möglicherweise steckten die Redakteure im Verlauf der Produktion ja auch schlicht in ihrer Midlife-Crisis und ließen sich daher von nostalgisch-romatischen Gefühlen zu diesen Bildkompositionen verleiten. Schließlich sieht in der Retrospektive beinahe alles weniger rostig aus. Folge: Die Unterschrift auf dem Kaufvertrag für das erste eigene Auto fällt rosarot aus.
In jedem Fall zeigt uns diese Fotostrecke pinibel-penetrant den sekündlichen Ablauf einer Unterschrift. Vom ersten Ansetzen der Füllerspitze auf das Papier bishin zu verschiedenen Stadien der Ausführung ist alles zu sehen. Wer also nicht mehr weiß, wie diese überaus komplizierte Tätigkeit funktioniert, bekommt es hier noch einmal detailliert präsentiert - und das sogar aus verschiedenen Perspektiven.
Mmh, vielleicht ist diese tintenblaue Fotolovestory aber sogar eine gekonnte PR-Aktion von Schreibartikelherstellern oder deren Vertriebsketten? Davon hört man schließlich immer häufiger.


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