Na dann mal Prost
Mai 2008 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhalten
Vor uns liegt heute das Andechser Berg & Echo. Da wissen wir natürlich, dass dies das Magazin für Mitarbeiter und Freunde des Klosters Andechs und der Abtei St. Bonfaz ist – okay, wir wissen es nicht, aber wir sind ja auch weder Freund noch Mitarbeiter.
Auf dem Wege dies eventuell zu ändern, blättern wir ein wenig durch das Magazin und stoßen auf ein paar nette Geschichten aus der Historie des Klosters und der Region. Je mehr man aber blättert, um so mehr möchte man Freund werden, denn unser Kloster zeichnet sich durch eine ungeahnte Offenheit gegenüber bestimmter weltlicher Genussgüter aus. Ich muss sagen, da sind recht viele Gläser, Krüge und Flaschen abgebildet, die dem Konsum des Hopfensaftes dienlich sind. Wenn dann auch noch das ein oder andere mal ein Pater seinen Krug kameragerecht der Öffentlichkeit präsentiert, da muss das Kloster Andechs vielleicht ein wenig auf die damit intendierte Aussage Obacht geben, oder?
Nein im Ernst, da die Askese jetzt nicht unbedingt die primäre Ordensregel der Benedikter darstellt, ist es doch toll, dass die Jungens da auch mal einen über den Durst trinken.
Nun widerspräche es ein wenig dem Sinn dieser Plattform, diesem Klosterheftchen einzig aufgrund seines sakralen Hintergrundes die Absolution zu erteilen (würden wir machen, wenn´s super wäre – ist es aber nicht). Die Fotos haben leider keine himmlische Anmut. Sei es, dass sie unscharf sind, schlecht ausgeleuchtete Motive abbilden oder schlicht nichts sagend sind. Menschen schauen ins Leere oder wirken als Gruppe so jämmerlich gestellt, dass einem die Tränen über die Wangen fließen könnten.
Prototypisch für das Versagen ist auch gleich mal das Titelbild. Zur kurzen Erklärung dessen, was darauf abgebildet ist, denn man wird es anhand des Bildes nicht erkennen: Das Kloster wird in seinem ganzen Glanze gezeigt - fast, wenn da nicht Bäume alles außer den Klosterturm verdecken würden. Im Hintergrund sehen wir einen Sonnenuntergang, der scheinbar Protagonist des Bildes sein soll, denn alles andere ist schwarz. Schöner Kontrast, aber ein bisschen mehr Kloster wäre nicht schlecht gewesen.
In der Hoffnung, dass dem Fotografen eine Erleuchtung kommen möge, die er dann zur Ausleuchtung seiner Bilder zweckentfremden könnte, nehme ich für heute meinen Hut, geh in eine Schenke und stoße auf die dem Biere gewogenen Mönche an, denn diesbezüglich sind wir natürlich Freunde.
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