Perfekt ausdruckslos
Januar 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhaltenWill er die Weltherrschaft an sich reißen? Denkt er über die längst fällige Maniküre nach? Oder gibt es für ihn so viele Missionen zu erledigen, wie seine Hand Finger hat? Vermutlich letzteres. Denn im aktuellen KulturSpiegel verrät Jan Josef Liefers in der bewährten Rubrik, was er kulturtechnisch so vorhat in den nächsten Wochen – und das sind genau fünf Dinge. Also einen tosenden Applaus schon mal für das aufs Auge gedrückte Vermeiden einer Bild-Text-Schere.
Es sind nicht unbedingt die Bildkulisse oder -komposition, die negativ ins Auge fallen – soll der Mann sich doch nach den Sternen greifend in komischer Cyber-Atmosphäre ablichten lassen. Auch über seine im Text genannte Empfehlung fürs neue Udo Lindenberg-Album kann man hinwegsehen. Was aber wirklich lächerlich wirkt, ist sein porentief reines und aalglattes Bübchengesicht. Bildbearbeiter und Meister-Retuschierer dieser Welt – was wollt ihr mit solch einer fulminanten Fotobearbeitung eigentlich bewirken? Dass die Termine, die sich der Leser für den nächsten Monat vornimmt, allesamt chirurgischer und kosmetischer Natur sind, weil Falten und eine normale Gesichtsfarbe irgendwie altbacken wirken? Man kommt ins Rätseln – vor allem deswegen, weil die Bilder im Kulturmagazin des Spiegel sonst nicht so falten- und charakterlos daherkommen.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich mag ihn ja, den Jan Josef. Naja, ehrlich gesagt nur in der Figur des bekanntesten Pathologen der Republik, dem narzistischen, eloquenten und doch knuffigen Karl-Friedrich Boerne aus dem Münsteraner Tatort. Über seine sonstigen schauspielerischen Fähigkeiten lässt sich durchaus streiten. Aber immerhin überstrapazieren die Make-up-Artisten des WDR nicht den allerorts verbreiteten Jugendwahn eines falten- und dafür ausdruckslosen Antlitzes, dem der Spiegel-Fotograf und dessen Photoshop-Experte scheinbar verfallen sind. In der Fotobearbeitung geht halt so einiges – aber muss man es im Magazinjournalismus so dermaßen übertreiben? Wohl nicht.
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Nuja, das Mädel aufm Cover macht doch aber auf jeden fall - photoshop hin oder her - eine gute figur. smells eben like teen spirit.
Ein klassischer Lückenfüller dieser Artikel! Beim Erwerb dieser Ausgabe hat man dann wohl die sprichwörtliche Katze im Sack gekauft…
Grüße
Ich würde dies allerdings nicht als ausdruckslos bezeichnen!