Klaus sei dank
März 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhaltenIch mag mich irren, aber zählt nicht weit über das kurzfristige Erregen von Aufmerksamkeit das Schaffen eines positiven Images und vor allem der langfristige Aufbau von Vertrauen zu den vornehmlichen Aufgaben der Unternehmenskommunikation? Und das innerhalb der internen Kommunikation, der Public sowie Investor Relations? Gut - soweit, so klar. Der kommunikative Weg zum Vertrauensaufbau und -erhalt, den das gesamte Unternehmertum zweifelsfrei vorgibt, gehen zu wollen, ist sicherlich nicht unsteinig. Eine offene und transparente Informationspolitik, die auf glaubwürdige Botschaften setzt und kritische bis unangenehme Aspekte nicht verdrängt oder verschweigt, ist eine Hürde, die genommen werden muss. Eigenlob, Schönfärberei, Beschönigungs- und Verdrängungsversuche mögen an der einen oder anderen Stelle kurzfristig funktionieren und sicherlich viel einfacher sein, als ehrlich und konsequent der Wahrheit ins Auge zu blicken und diesen Blick auch den Bezugsgruppen zu ermöglichen, aber langfristig kann diese Masche hoffentlich nicht funktionieren.

Mag der eine oder andere Teil der Financial Community bei der Lektüre des jüngst erschienenen Jahresabschluss der Deutschen Post auch die großen Verdienste eines gewissen Klaus Zumwinkel für den gelben Konzern gen Himmel loben wollen („War ja mal Manager des Jahres“ und so weiter), ersinnt sich ein anderer Teil doch vielleicht an eben jene Gründe, die zum Karriereende des Klaus Z. an der Konzernspitze des Logistikriesens beitrugen: War da nicht irgendetwas in 2008? Gab es nicht dieses Foto, das die Gazetten der gesamten Republik auf dem Cover hatten und das den Mann in Begleitung einer Staatsanwältin seine Wohnung verlassend abbildete? Hatte das mediale Großereignis nicht mit einem Riesenbatzen steuerhinterzogenem Geld zu tun? Und kann nicht eben dieser Mann seit kurzem einem Haufen Geld – irgendwas mit sechs oder sieben Nullen – trotz allem sein eigen Pension nennen?
Angesichts der auf die Anklage des Post-Chefs folgenden und seitdem schwerlich endenden Diskussion um Managergehälter und Bonizahlungen sowie des rasant schwindenden Vertrauens – da ist es wieder – in die Wirtschaftsköpfe des Landes, bleibt mir beim Lesen des Post-Geschäfts- berichtes („Der Aufsichtsrat dankt insbesondere Herrn Dr. Klaus Zum- winkel für seine besonderen Verdienste für den Konzern Deutsche Post World Net.“) nur ein Kopfschütteln. Tschuldigung, aber geht´s noch?


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