So kniet nieder!
Mai 2008 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhalten

Sehr geehrte Damen und Herren, heute weiten wir unser Herz an einem Geschäftsbericht, was, wenn ich mir den Zeitpunkt der letzten Bewertung eines solchen anschaue, mal wieder Zeit wurde.
Unser “Opfer” ist der Geschäftsbericht der Deutschen Hypo des Jahres 2007. Eins vorweg, die inhaltlichen Vorgaben des Genres werden brav bis bieder befolgt und am Layout wäre einzig anzumerken - ganz schön konservativ. Das wiederum ist für eine Hypothekenbank durchaus in Ordnung - man hebt sich damit aber auch in keiner Form von der Konkurrenz ab.
Richtig traurig sind aber die angedeuteten, jedoch nicht genutzten Inhalte, weil hier Potential verschenkt wird. Wenn man zum Beispiel den Geschäftsbericht aufschlägt, springt einem auf Seite eins sofort die Schlagzeile: “Unsere Mitarbeiter die Basis unseres Erfolges” ins Auge. Wie schön, dass man das mal so sagt. Gut so überraschend ist das jetzt aber nicht, da ohne Mitarbeiter ein Vorstand ein wenig einsam wäre.
Wie dem auch sei, die gesamte erste Seite ist eine alphabetische Aneinanderreihung von Namen eben dieser Mitarbeiter in einem blässlichen Grau. Jetzt drückt man sich die Daumen blau, in der Hoffnung, dass da heute mal die “Basis” aus ihrem unscheinbaren Dasein erlöst wird und zumindest partiell im Geschäftsbericht zu Worte kommt, auf dass so die gängige Auflistung von Zahlen um eine menschliche Komponente erweitert würde - aber nein, da ist nicht ein einziger Beitrag dieser Art auf den hundert hochglänzenden Seiten zu finden.
Selbstverständlich darf die Firmenelite ihr Antlitz in die Kamera strecken und sie strahlen uns mit einem Lächeln an, dass man, glaub ich, ganz schön lange daheim vorm Spiegel proben muss - Respekt.
Jetzt brechen wir hier keine sozio-politische Debatte vom Zaun, aber wer auf der ersten Seite einen auf Menschenfreund macht, der kann auch mal, und wenn dies auch nur zum Schein, seinen Vasallen den verdienten Tribut zollen.
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