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Social Reflexion

Februar 2008 | Meinung von Jörg Petzold | Neue Artikel per Mail erhalten

ziggy-150.jpgIn zunehmenden Maß werden für Unternehmen Dialoggruppen interessant, die sich nicht länger nur aus Aktionären oder anderen kapitalbringenden Anteilseignern rekrutieren, sondern als einflussnehmende Faktoren das Unternehmen in seinem gesamten sozialökonomischen Kontext erfassen. Wirtschaftswissenschaftlich gesprochen: die Stakeholder.

Das Prinzip des Stakeholder- Relationship-Managements (SRM) versucht, die Beziehungen eines Unternehmens zu allen wichtigen Anspruchsgruppen in Einklang zu bringen und geht damit deutlich weiter als das Customer-Relationship-Management (CRM), das sich lediglich mit den Beziehungen des Unternehmens zu seinen Kunden auseinander setzt. Das Unternehmen an sich betrachtet sich also in einem weitaus komplexeren sozialen Kontext, in dem Vokabeln wie Verantwortungsbewusstsein und Engagement gleichberechtigt neben solchen wie Positionierung und Risikominimierung stehen.

Da sich diese Form des Corporate-Dialog meist in konkreten Projekten und Maßnahmen äußert, müssen solche Unternehmensentscheidung adäquat und verifizierbar kommuniziert werden. Eine angemessene Form dafür bilden die so genannten Social Reports, eine Art sich den gesellschaftlichen Außenwirkungen überantwortender Geschäftsbericht.

Dass sich in diesem, im alten Europa leider noch nicht vollends etablierten, Kommunikationsmodell vor allem diejenigen Unternehmen und Institutionen wohlfühlen, die sich eh ihrer sozialen Kernkompetenz und -aufgabe aufs gründlichste bewusst sind, überrascht höchstens noch schlecht informierte Topmanager in Lichtenstein. Deswegen hier das löbliche Beispiel eines Vetreters der momentan ja arg gebeutelten Tabakindustrie: Der Social Report von BAT vereint vertretene Konzernpositionen mit den Forderungen von Kritikern und Befürwortern in den unterschiedlichsten Bereichsfeldern, auf die BAT als (re)agierendes Unternehmen Einfluss hat.

Sicher finden auch hier, wie leider in nahezu jedem anderen CP-Produkt, die obligatorischen Euphemismen statt und selbstredend klopft man sich auch zur Konkurrenz abgrenzend auf die Schultern. Allerdings wird dabei Recht behalten: die präsentierten Vorhaben, Projekte und gut gemeinten Ansätze wurden größtenteils durch Assurance-Statements des Bureau Veritas überprüft und verifiziert. Und auch die Aussage, dass BAT der bisher einzige in Deutschland agierende Tabakkonzern ist, der einen solchen Social Report herausgibt, stimmt leider.

Warten wir also auf die schriftlich kodifizierten Ergebnisse des Stakeholder-Relationship-Managements von Reemtsma, Rheinmetall und der Universal Music Group.

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