Flügelflitzer
Juli 2008 | Meinung von Jörg Petzold | Neue Artikel per Mail erhalten
“Ihr habt doch früher - der Günter - was die früher für einen Scheiß gespielt haben! Da konntste doch früher gar nicht hingehen, die haben doch Standfußball gespielt früher!”
Nun, der berühmteste Standfußballer der deutschen Fernsehgeschichte - zumindest in den (mittlerweile wieder revidierten) Augen eines Rudi Völlers - ist nicht nur Grimme- Preisträger, Selbsteinwechsler, Weltmeister, Ferrarifahrer, Diskothekenbesitzer und Verwertungsrechtedealer gewesen, sondern in seiner bewegten Laufbahn auch aktiv erfolgreicher Corporate Publisher. Sogar wiederholt, der Teufelskerl.
Ab 1965 gab Günter Netzer die noch heute existierende Stadionzeitschrift „Fohlenecho“ für Borussia Mönchengladbach heraus. Zeitgleich begann dort auch seine Karriere als Profifußballspieler und Lichtgestalt des deutschen Tiefpassspiels. Als er 12 Jahre später im sonnigen deutschen Herbst 1977, gereift durch den spanischen Edelfußball bei Real und zahlreiche internationale Vergleiche, seine aktive Fußballkarriere aufgab, tat er das wahrscheinlich nur, um wieder das zu werden, was er schon immer in tiefster Seele war: Corporate Publisher. Für den HSV wollte er nun das Stadionheft verlegen, durfte da aber nur ran, wenn er gleichzeitig auch noch Manager für den HSV spielte. Machte er doch prompt, der Günter, und tja, was soll ich sagen, es waren die sportlich erfolgreichsten Jahre für den HSV.
Und während heutzutage nach Grottenkicks wie Schweden vs. Griechenland Netzer und Delling dafür verantwortlich sind, die Massenbespaßung niveauorientiert auf Siedepunktlevel zu expertisieren, fegt an der Alster der publizistische Geist Netzers aus der goldenen Ära durch die HSH Nordbank Arena: Denn laut Onlineumfrage von Stadionheft.de ist die Stadionzeitschrift des HSV – nach Relaunch und u.a. Formatverkleinerung auf A5 - die beliebteste bei den Fans. Vor den Prints der Frankfurter Eintracht und den Bayern. Schlusslicht in Liga eins ist übrigens das Stadionheft von Borussia Dortmund. Aber dort hat der Günter ja auch nie gezockt oder gepublisht. Netzer, du bist ein Mediengott.
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