Glossiert: Amtsblatt enthüllt!
Oktober 2007 | Meinung von Jörg Petzold | Neue Artikel per Mail erhalten
Da geht ja einiges im Leipziger Rathaus: Bis zu neun Liebesdienerinnen sollen angeblich diskret ins Rathaus geschleust worden sein, um in den dortigen Amtsstuben ihrem Tag- äh, sorry Nachtwerk nachzugehen. Der vor einiger Zeit aufgetauchte Skandal in der “Stadt der Helden” zieht mittlerweile immer weitere Kreise, aber so wirklich Licht ins scheinbar skandalöse Dunkel mag auch nicht kommen. Doch so richtig aussitzen will man die Geschichte offensichtlich auch nicht - oder wie soll man sonst den neuerlichen Donnerkeil in Sachen “Kohärenz herstellen - leicht gemacht” verstehen?

Mal ganz von vorn (also ‘von Anfang an’ und nichts anderes ist hier gemeint): Das Leipziger Amtsblatt “erreicht als offizielles Mitteilungsblatt der Stadt Leipzig im Stadtgebiet 215.000 Haushalte sowie sämtliche öffentlichen Einrichtungen der Stadt”. Und da die zahlreichen Kleinanzeigen allem Anschein nach nicht ausreichen, die scheinbar exorbitanten Druck- und Publikationskosten zu decken, werden dem Benachrichtigungsorgan der Stadt Leipzig auch einige Prospekte beigelegt. Also Möbelhäuser, Kleinartikeldiscounter und - … na aber!
Orion empfiehlt sich. Uiii, nanana, warum eigentlich nicht, prüde sein kann man in den Staaten, die Seite-1-Mädchen diverser Boulevardblätter geben sich ja auch schon mal gern sehr offenherzig. Im Prospekt wird dann aber nicht nur sportliche Abendgarderobe präsentiert, sondern die auch die handfesten Artikel zur Ehehygiene, “für große Auftritte”, alles klar, 6 x in Leipzig, mache alles, bitte Klingeln, zweiter Stock bei Nowak…
Für die Stadt Leipzig gibt´s jetzt von uns schon mal den großen PR-Daumen, soviel Realsatire im Government-Publishing gibt es nicht alle Tage. Amtlich in die Nesseln, und keinem scheint das irgendwie aufzufallen. Ist eh klar - an die Nackedeis hat man sich im Rathaus ja gewöhnt, meinen wir. Nichts für Ungut, liebe Stadtväter. Und: wer den Schaden hat, braucht ja für den Spott und so weiter…
Aber wie dem auch sei. Für diese Supplement-Blamage gibt es in der Kategorie Refinanzierung leider keinen einzigen Stern… 
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