Magazin-Konzept umsonst?!
Januar 2008 | Meinung von Annegret J. Freitag | Neue Artikel per Mail erhalten
Konzept umsonst? Sag’ das Zauberwort! Aber fangen wir von vorn an… Wie sich Herr X von der Firma Y aus Z neulich mal so ganz bewusst seine gemütliche Ess-Ecke betrachtete - da fiel ihm auf, dass das einstmals wirklich moderne Ensemble inzwischen irgendwie … angestaubt wirkte. Und da Herr X für gewöhnlich ein Freund schneller Entschlüsse und auch sonst nicht zimperlich ist, beschloss er in diesem Moment: Da muss was Neues her!
Natürlich nicht ohne Konzept, Entwurf und all dem, was sonst noch an strategischer Planung vor der eigentlichen Gestaltung steht. Aber Herr X aus Z kennt sich aus - und so setzte er sich an besagten altmodisch-überholungswürdigen Esstisch, zückte seinen Laptop - und erstellte nach allen Regeln der Kunst eine Ausschreibung, um die sich, da war der edle Auftragsspender sich sicher, jede Tischlerei in der Umgebung reißen würde. Natürlich beschränkte er das Bieterfeld - und wählte nur jene Meisterbetriebe aus, von deren Referenzen er sich im Vorfeld überzeugt hatte.
Dann setzte er sich, innerlich ganz erwärmt vom Bewusstsein der eigenen Wohltätigkeit als Ankurbler des regionalen Handwerks und äußerlich zufrieden lächelnd, an seinen ollen Holztisch - und freute sich auf die kreativen Ideen der Tischler für seine Ecke.
… als auch schon die erste Antwort per Fax eintrudelte. Voller Vorfreude - und tief beeindruckt von der Reaktionsgeschwindigkeit der hiesigen Holzbearbeiter - begann er, das seltsamerweise nur eine Seite umfassende Dokument zu lesen. Während sein Lächeln langsam zu einer Maske der Fassungslosigkeit gefror, überflog er erneut die spärlichen Zeilen … “… möchten wir Sie bitten, von weiteren Anfragen an unser Haus abzusehen - und behalten uns vor, aufgrund Ihrer unverschämten Ansprüche die Fachinnung zu informieren.”
Da musste Herr X doch glatt erstmal in eine Tüte atmen, um wieder zur Ruhe zu kommen. Aber kurz darauf beruhigte er sich: Wahrscheinlich war er nur verwechselt worden.
Was ihm allerdings in den Folgetagen an Schmähbriefen und bitterbösen Mails ins Haus hagelte, ließ ihn ernsthaft zweifeln - am örtlichen Handwerk. Um endlich Klarheit zu bekommen, rang er sich schließlich zum Telefonat mit einem der Betriebe durch, das zusammenfasst etwa folgenden Inhalt hatte: “Ja - wer da? … Ach SIE sind das. … Warum wir abgelehnt haben? … JA, SAGEN SIE MAL! … Haben Sie das etwa ernst gemeint - mit dem Komplettentwurf Ihrer neuen Einrichtung - in drei Varianten und anschließender Präsentation vor Auftragserteilung?? … In welcher Welt leben Sie denn, Mann?” - Klick! -
Zurück blieb ein völlig verdatterter Herr X. Warum nur war die Resonanz auf diesen möglichen Großauftrag so absolut negativ? Bei der kürzlich stattgefundenen Ausschreibung seiner Firma für den Relaunch des Kundenmagazins hatte dasselbe System noch super geklappt - die Agenturen hatten sich geradezu überschlagen mit Konzeptionsentwürfen und Layout-Ideen … und seit wann sollte man für Konzepte Geld bezahlen?
Dann kam ihm die rettende Idee: Na klar! Er würde beim nächsten Mal keinesfalls vergessen, dick und fett P I T C H über die Anfrage zu schreiben - dann dürfte es keinerlei Verständnisprobleme mehr geben …


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