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“Sieben, Neune, Unter…

September 2008 | Meinung von Jörg Petzold | Neue Artikel per Mail erhalten

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…da kommt keiner drunter.” So zumindest die wasserdichte Stammtischregel für angehende Nullspieler. Mit dem grünen Daus auf der Hand wird es schon schwieriger, dass die Stiche auf die Dörfer gehen, aber sollen sie insofern auch nicht, da es sich hier ja um das Stadtteilmagazin der größten Plattenbauoase des ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaates handelt.

Man will also wahrscheinlich gar nicht Null spielen, sondern Grand. Und dort lautet bekanntlich der Fingerzeig: “Beim Grand spielste Ässe, oder hältst die Fresse!” Am “Grünau” wird dann lautmalerisch so lange rumgelutscht, bis “Grün-As” herauskommt und schon ist man aus dem Schneider. Soviel zu Skatarithmetik; kiebitzen wir ‘mal ins Blatt.

“Am Kulki ist was los” titelt der Herausgeber zum leitmotivischen Badespaß und lässt ein Dutzend Wochenend-Tiefseetaucher bemüht freundlich vom Anleger lächeln. Mit einer Bildschärfe, die sich wahrscheinlich in Tasmanien verbrennpunktet aber garantiert nicht am “Kulki” (womit, wie der Anrainer weiß, natürlich das Naherholungsgebiet Kulkwitzer See kumpelhaft umschrieben wird), versucht das kostenlose 20-Seiten-Magazin-mit-Werbeanteil den ersten Stich zu machen. Kann funktionieren, wir reden hier ja auch nicht von Grünwald sondern von Grünau, und da ist man, nun ja, mit solidem Auftreten schon ganz gut beraten. Auf den Innenseiten selbst springt die Redaktion dann schon ab und zu ins kalte Kalauerwasser (Artikeltitel: “Die spinnen, die Taucher…”) oder versucht sich in semantischer Dialektik (”Grünauer Politik: Offen für alle - tolerant gegenüber Jedem”), ohne dabei jedoch den Grünauer an sich syntaktisch, layouttechnisch oder gar inhaltlich zu überfordern.

Mit etwas gutem Willen könnte man das Ganze auch “informativ” nennen, “menscheln” tut hier im sanierten Beton leider nicht wirklich was. Ein paar Seiten Volkshochschulprogramm, ein bisschen Stadtteilfestpreview, noch eine Hand voll Kulturtipps, ach ja, Kreuzworträtsel und Immobilieninserate, fertig ist die Ausgabe. Dabei meinen es die Verantwortlichen (Verein für Kultur und Kommunikation Leipzig-Grünau) höchstwahrscheinlich nicht einmal böse, sondern versuchen redlich den Spagat zwischen Kulturanreiz und Plattenbau, respektive Neptunfest und Inkassoreportage. Und trotzdem geht das Spiel nicht auf, vielleicht das Falsche gedrückt, vielleicht auch nur die Trümpfe blöd verteilt. Und irgendwie nichts drin im Skat, aus jedem Dorf zwei Köter, und was das Ganze brachte, ist nicht das Grün-As, sondern: Die Sieben und die Achte. Aber immerhin nicht überreizt.

Kategorie: Konzept  CPL-Award

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