Teenytus
März 2008 | Meinung von Jörg Petzold | Neue Artikel per Mail erhalten 
Ein alter Hut, aber weil’s so schön ist: DSDS, mittlerweile in fünfter Staffel laufendes Nachwuchsförderungsprogramm für angehende Löffelschnitzer, wird auf RTL ausgestrahlt, die Tonträger von Sony-BMG vertrieben, die DSDS-Zeitschrift, die ich gerade in der Hand halte, von der Medienfabrik Gütersloh herausgegeben und wer nun nachwievor nicht verstehen kann, warum das Magazin hier unter Corporate Publishing läuft, der googele einmal dezent nach den Beteiligungen von Bertelsmann…
Das, zugegeben, effizient integrierte mediale Krakenprodukt DSDS hat mit dem “offiziellen Magazin zur Show” (2.95 Euro, bunt, anzeigenüberflutet und sinnfrei) seit geraumer Zeit auch noch die letzten Bastionen redlicher Printnutzer abgeschöpft und dem Abwärtstrend sprachlicher Tiefflüge preisgegeben. Niveauimplosionen wie “Krass - die Geheimnisse deiner Stars” oder die obligatorischen “Bohlensprüche - unzensiert” legen den Standard fest, redaktionelle Textbeiträge gehen selten über die 300 Zeichen hinaus und als Buchtipp, für die Leseratten quasi, wird dem jugendlichen Fan die Biografie (der Junge ist noch keine 30) von Mark Medlock um die Ohren gehauen. Alles nix, oder?
“Jetzt reg’ dich nicht so auf, die Kids lieben das Zeug, du bist da doch nicht Zielgruppe…” ist ein Argument, was ab hier auch nicht mehr zieht: Deutschland sucht nämlich bekanntermaßen den Superstar, und hätte ich mich nur hauchdünn auf jene Social-Marketing-Motivations-Kampagne eingelassen (die, ach da schau an, von Bertelsmann koordiniert wurde), würde logischerweise die individuelle Gralsuche irgendwo zwischen Monika, Fady und den anderen ikonenhaften Zeitgeistern auch schon ihr Ende finden.
Was will man denn da groß noch fazitieren? Für’n Eimer, Deckel drauf, schnell vergessen? Warum steht da eigentlich noch ein Fragezeichen? Weil in komplexen Zusammenhängen, Strukturen und Mechanismen DSDS für die Simplifizierung einer ganzen Generation eintritt? Weil es endlich reicht mit den Dieter Bohlens unserer medialen Welt? Oder gar, weil das alles egal ist? Suchen Sie sich eine Antwort aus, tragen Sie hier _______________eine ein, tun Sie sich einen Gefallen und kaufen Sie nicht das Magazin, wenn doch: schmeißen Sie’s weg. Es wird wohl das Beste sein.
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