Abgestempelt
September 2008 | Meinung von Tina Neundorf | Neue Artikel per Mail erhalten

“Die Deutschen essen zu viel, zu süß und zu fett” – Zitat Gesundheits-Staatssekretär Rolf Schwanitz, der damit vor ungesunder Ernährung warnt. Welch sensationelle Neuigkeit, nicht wahr? Vor allem dann, wenn die gesamte Meldung aus nichts außer diesen wenigen Worten besteht. Der Nachrichtenwert tendiert gegen null und der Mehrwert ist, aufgrund der Kürze der Meldung, gleich gar nicht auszumachen. So gefunden im aktuellen Heft von “Securvital” (in der Mitte von Seite fünf).
Wie es zu einem Schwarzen Loch dieser Art kam, kann man sich angesichts des Nachrichtenumfelds dieser unbetexteten Schlagzeile nur zu gut vorstellen. Da saß man in der Redaktion über den Pressemitteilungen des laufenden Monats, in Gedanken darüber versunken, welche der vielen hochwertig inhaltslosen Informationen aus der Gesundheits- und Krankheitsbranche man wie verwursten könnte. Es ging ans Sortieren.
Was nicht für eine mehrseitige mit tiefgründig angehauchten Hintergründen aufgebauschte Geschichte taugte, kam auf den Stapel für “Meldungen, die dafür herhalten können, um damit die ersten drei Seiten zu füllen”. Auch Rolf Schwanitz’ Warnung musste dieses Schicksal erleiden – ebenso wie schlecht sitzende BHs und die unterschiedlichen Glückskurven von Männlein und Weiblein. Verständlich. Auch wenn man sich jedes Jahr wieder (auf neue Weise) mit den selben Themen von A wie Allergie bis Z wie Zahnstein beschäftigen muss, kann einem diese Meldung einfach nicht spekakulär genug für die Premiumseiten sein.
Allerdings muss ich dann doch ehrlicherweise zugeben, dass ich bis jetzt eine gewisse Spur Neuigkeit unterschlagen habe. Vor diesem Mikro-Bericht hatte ich den Namen Rolf Schwanitz ebensowenig gehört wie gesehen. Danach schon. Danke “Securvital”.


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