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Kulturschock

August 2008 | Meinung von Martin Opitz | Neue Artikel per Mail erhalten

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Wie dem kulturliebenden Durchschnittsmenschen, durch einen Mangel an Informationspolitik seitens der kulturellen Institutionen, so einige Hochgenüsse der Kunst und Kultur durch die Lappen gehen, ist sicherlich jedem bekannt, der einmal eine Vernissage oder Musicalvorstellung verpasst hat, weil ihm der Fakt des Stattfindens selbiger nicht zugetragen wurde. Diesem Misstand möchte das Newsmagazin aus dem Bunkverlag, mit Namen “kulturnews”, tapfer die Stirn bieten. Interessiert wie ich als Freund der gepflegten Unterhaltung bin, hab ich mir wurde mir die aktuelle Leipziger Ausgabe des 68 Seiten starken Entertainmentguides zugetragen.

Mein Herz hüpft im Dreieck, als auf dem Cover Conor Oberst prangt - darüber die Kennzeichnung “Ausgabe Leipzig”. In freudiger Erwartung auf einen Konzerttermin oder ein möglicherweise anderweitiges Erscheinen des Indie-Sängers, schlage ich sofort die Seite mit dem betreffenden Artikel auf, und siehe da: Nichts. Kein Konzert, kein Erscheinen. Nur ein halbgares Interview, dass allenfalls der MTV-Generation an Inhalt ausreichen könnte. Angeschlagen von dem Mißerfolg blättere ich mich demotiviert weiter durch die Recyclingpapierseiten, in der Hoffnung den sprichwörtlichen Silberstreif noch zu finden und ein eventuelles Auftun eines anderen kulturellen Höhepunktes in meiner Region erleben zu dürfen - schließlich hat das Cover ja etwas in der Richtung versprochen, als es mit “Ausgabe Leipzig” meinem Unternehmungssinn hofierte.

Mit steigender Seitenzahl purzelt das jedoch Interesse, parallel zur steigenden Inhaltsleere ins Bodenlose. Zwischen viel Leerraum präsentieren sich leblos geschriebene Artikel, Interviews, CD- und Bandvorstellungen, die lediglich der tristen Aufmachung des Einbandes gerecht werden, nicht aber dem Wunsch nach irgendgearteter Unterhaltung. Am Besten gelungen sind da noch die seitenfüllenden Werbebanner, die dem “interessierten”Leser kommende Kinofilme schmackhaft zu machen versuchen und mit ihrer aufdringlichen Größe den Werbeanzeigen in puncto Präsenz durchaus paroli bieten.

Mit einem weinenden und einem schlafenden Auge schließe ich das Heftlein wieder und denke mir: “Da steh ich nun, ich armer Thor, und bin so klug als wie zuvor”. Also hinein in einen weiteren Monat Eigenrecherche nach möglichen Freizeitbeschäftigungen.

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