Schrauberlehrling
Oktober 2008 | Meinung von Jörg Petzold | Neue Artikel per Mail erhalten

Ach ja, der Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein, was wären wir ohne den. Keine Prüfplaketten, keine ASU, keine Führerscheine, keine Fahrerkarten, keine Schiedsrichter - ein grenzenloses Chaos wahrscheinlich. Schon gut, dass es die Jungs gibt, da darf man sein Kundenmagazin getrost auch Solutions nennen. Ach ja, die Dekra liefert mit dem Heft auch gleich die Lösung, wie ein richtig gutes Printmedium im B2C-Bereich sein sollte.
Die Eckdaten: 34 Inhaltsseiten, komplett biliungal gestaltete Artikel in deutscher und englisches Sprache (jede zweite Ausgabe auch in französisch), ein klares, schickes und modernes Layout, sehr gute und vielfältige Themenauswahl und so weiter und so weiter…. Wie machen die das? Sollten die nicht eigentlich Mittelschalldämpfer schweißen? Sicher, hier wird den Prüfern von einer Agentur unter die Arme gegriffen, aber so ein Produkt muss auch erst einmal durchgewunken werden. Schön, dass es die Dekra gemacht hat. So kann man nun von Gebrauchtwagentipps über Dietmar Hopp bis hin zur Bus-Reisedoku “In 70 Tagen um die halbe Welt” durch das Magazin lesen, ordentlicher Schreibstil, der CP-Klippen einfach links liegen lässt, inklusive.
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Hmmm … sorry, kann ich nicht so ganz verstehen, die Lobeshymne. Hätte angesichts der Abbildungen oben auch ehrlich gesagt nicht auf die volle Sterne-Punktzahl getippt. Denn Überschriften-Überflieger wie “Schnelle Geschäfte mit schicken Autos” klingen für mich ebensowenig nach Qualitätsjournalismus wie der bis zum Bersten vollgepackte Satzspiegel inklusiver bunter Schriften nach hochwertigem Layout aussieht … die letzte Bestätigung liefert ein Blick auf die Titelseite, die langweiliger kaum daher kommen könnte…
Nun, einer der Knackpunkte ist doch: Liest man das Magazin / die Artikel gerne oder nicht. Simplifiziert: Erreicht man den Leser oder nicht. Solutions ist kein Daimler-Mag, das seine Seiten mit schönen Fotos der besten andalusischen Weinbauregionen zudesignen möchte und kann. Aber im Rahmen seiner Möglichkeiten zeigt das Dekra-Produkt beispielsweise Mut zu ungewöhnlichen Bildschnitten, ermöglicht duch gekonnte Akzentsetzuing intuitive Leserführung und berichtet nicht nur über Hebebühnenalltag, sondern bietet, journalistisch vielfältigt, ebenfalls Portaits, Reportagen u.ä. Bilingual! Und was ist an “Schnellen Geschäften mit schicken Autos” so irritierend?
Find das Layout auf den ersten Blick völlig in Ordnung. Ordentliche Absätze, augenfreundlicher Zeilenabstand und scheinbares Hand-in-Hand-gehen von Text und Bild lassen den Satzspiegel nun nicht so überfüllt wirken, wie das hier anklingt. Gut, einen Stern weniger für die Überschrift - nicht wegen des Inhalts, sondern wegen des barbarischen Orange. Wenn schon Mädchenfarbe, dann pink bitte.
Ich gehe mit, dass Gestaltung ein Stück weit Geschmackssache ist - und vielleicht nicht jeder Leser grünen Fließtext, der auf orange BU-Unterlegung trifft, unbedingt für eine grafische Ausnahmesituation hält … aber eine Überschrift, die bestenfalls klingt, wie der erste ÜS-Rohentwurf eines Lokalzeitungs-Praktikanten (oder auch der misslungene Versuch eines Werbeslogans für eine Hinterhof-Gebrauchtwagenbude sein könnte) - sorry, das ist weder journalistisch noch leseanreiz-end.