Wo bleibt der Seidenpyjama?
November 2007 | Meinung von Jacqueline Barth | Neue Artikel per Mail erhalten

Wer den Seidenpyjama gewöhnt ist und plötzlich der Großmutter zuliebe den von ihr geschenkten baumwollenen überstreift, fühlt sich vermutlich nicht wohl, auch wenn das Geschenk zwar nicht glänzt, sich aber ganz bequem und behaglich tragen lässt.
So ähnlich ging es dem einen oder anderen Abonennten des X-press, Finanzmagazin der Deutschen Bank. Das Titelblatt des September-Magazins, stilvoll mit Gold veredelt, machte Lust auf mehr. Die Deutsche Bank lässt sich schließlich nicht lumpen. Und klar, es ging im Heft ja auch titelgebend um Gold als Anlage-Wiederentdeckung.
Dann vier Wochen später die Oktober-Ausgabe. Man musste zweimal hinsehen, ob das auch wirklich das gleiche Magazin war. Denn da erblickte der Leser eine Illustration der ganz bunten und eher kindgerechten Art - mit viel zu großen Köpfen und übertriebenen Posen.
Um klarzustellen: Es geht hier nicht um das Innenleben des Magazins. Denn das ist gut. Modernes Layout - wobei latent in Gefahr, den Leser zu überladen - ausgewogen in der Themenauswahl, originell in der Umsetzung, vor allem, was Rubrizierung und Bildauswahl betrifft. Spezielle Termini werden erläutert, sodass das Magazin zweifelsohne der Heterogenität seiner Leser gerecht werden kann. Das ist gut. Aber mal ehrlich, ein Schlafanzug aus Baumwolle ist zwar funktionell. Aber er ist eben kein seidener.
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