Das Anti-Heft
Mai 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhalten
Ist es nicht paradox, wenn ein Magazin etwas auslöst, was es allem Anschein nach eigentlich verhindern will? Die Anti-Aging-News tun dies jedenfalls. Bei jedem Grafiker, ach was: jedem Menschen mit einigermaßen vorhandenem Gespür für geschmackvolles Magazindesign, wird sich nicht nur der Magen umdrehen und die Stirn vor Verwunderung in ein Faltenreich verwandeln. Jede Wette: Beim Anblick des magazinartigen Etwas, das mit gestalterischen, farblichen und typografischen Greueltaten aufwartet, wird sich der Alterungsprozess des Betrachters nicht nur um einen Bruchteil beschleunigen, er wird brutalst voranschreiten. Pro- statt Anti-Aging sozusagen.
Im Magazin dreht sichs, wie der Name erahnen lässt, um das gewollte und viel beschworene Geheimnis des Nichtalterns, mit allem was dazu gehört: Gesundheitsvorsorge, Fitness und Ernährung. Wie auch beim Inhalt des dazugehörigen Online-Portals ist das thematisch nicht nur nett gemeint, sondern angesichts weitverbreiteter, ungesunder Lebensweise sicherlich auch eine notwendige Angelegenheit, die durchaus den Nerv der Zeit trifft. Nur: Die Bereitschaft, bis zum Inhalt vorzudringen und in die Beiträge einzutauchen, wird beim Leser - zumindest bei dem, der keinen Knick in der Optik hat - rapide abnehmen, je weiter er sich im Magazin blätternd vorwärts bewegt. Denn mit den Anti-Aging-News erreicht uns ein formales Schreckgespenst. Punkt.

Gefühlte 120-Punkt-Überschriften in abwechslungsreicher, leider furchtbarer Farbwahl disharmonieren mit einem üblem, auf jeder Seite neu kreierten Satzspiegel sowie einer Ansammlung von Anti-Fotografien. Zudem überraschen Seite für Seite die grafischen Hervorhebungen, leider tun sie dies negativ. Man möchte meinen, das Grundkonzept dieses Heftes sieht vor allem eines vor: alle, aber wirklich alle Farbvarianten, die das Layoutprogramm so auf Tasche hat, in mindestens einer Überschrift, Infokastenhinter- oder Vordergrundfarbe zu verwenden. Koste es, was es wolle. Überhaupt erkennbare Layoutstrukturen, was Über- oder Zwischenüberschriften, Textkästen oder Vorspänne angeht, wurden ebenfalls vollkommen aus diesem Anti-Heft verbannt. Zu dem (man kann es eigentlich nur so auf den Punkt bringen) grafischen Totaldesaster gesellt sich auch in redaktioneller Hinsicht das bewiesene Anti-Händchen der Blattmacher. “Unglaublich! Hier hatte ich Cellulite” oder “Schneiden? Lieber Schlucken!” zeigt schon, welche Haltung die Redaktion wohl selbst gegenüber guten Überschriften eingenommen hat.
Layouttechnisch kann man das durchaus alles so machen. Vor allem, wenn man die scheinbar eigene Anti-Haltung gegenüber einem durchdachten und eleganten Design auf Gedeih und Verderb auch dem Leser aufs Auge drücken will. Beim Konsumenten und Kenner schicker Magazine werdet ihr das jedoch nicht schaffen. Und ehrlich gesagt: Lieber in Würde altern, als sich solch gestalteten Anti-Aging-Tipps auszusetzen.


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Knallige Farben und viel nackte Haut sind doch eigentlich immer ein Erfolgsgarant für jedes jugendhafte Magazin….wie beim Anti-Aging-Kampf sollte man es wahrscheinlich nicht um jeden Preis versuchen!
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