Das hässliche Textlein
Juni 2008 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhalten

Vor gar nicht allzu langer Zeit war einmal ein kleines hässliches Textlein. Das war so traurig, dass es keiner lieb hatte und so weinte es jämmerlich. Eines Tages kam ein Layouter zu dem Text und sagte: „Ei, du kleines hässliches Textlein, was bist du denn so traurig?“
Da fing das kleine Textlein noch viel schlimmer an zu weinen und sprach zu dem Mann: „Alle Welt ist so gemein zu mir. Ich kann doch nichts dafür, dass ich so unansehnlich bin. Mein Erschaffer wollte doch nur einen für Laien verständlichen Text schaffen und da bin ich halt entstanden. Jetzt aber hat er mich ins Heim “NewsLetter International” vom Glückliche Familie e.V. gesteckt und da bin ich jetzt.“
In der Tat fand sich unser kleines hässliches Textlein im besagtem Blatt wieder. „Na wenigstens bist du da unter deinesgleichen und nicht mehr so allein.“, sagte der Layouter. „Vielleicht kann ich dir ja sogar helfen.“ Sprach er und verschwand.
Einige Zeit später, das hässliche Textlein hatte schon alle Hoffnung aufgegeben und dachte fast gar nicht mehr an das Versprechen des Layouters, kam dieser vollbeladen wieder. „Ich habe lange über dein Problem nachgedacht. Lange wollte mir keine Lösung einfallen. Ich habe den Rat der Weisen befragt, aber auch die konnten mir nicht helfen. Ich soll aber schöne Grüße sagen.“
Der Layouter setzte sich kurz auf einen Stein und nahm seine Last von den Schultern. „Ich bin durch die weite weite Welt gewandert und habe versucht etwas zu finden, was dich von deinem Leid erlösen könnte, aber mir kam nichts in den Sinn. Ich war so unglücklich, dass ich mein Versprechen nicht halten konnte, da habe ich aus purer Verzweiflung gesoffen wie ein Loch. Dabei muss ich mich tierisch gestoßen haben. Als ich am nächsten Tag aus meinem Vollrausch erwachte, hatte ich einen riesigen blauen Fleck am Arm. Und da wusste ich, was dir helfen könnte – Farbe.“
Als der Layouter seine Geschichte beendet hatte, öffnete er seine Tasche, holte ein Dose mit blauer Farbe heraus und verzierte den Text damit.
Nun holte er aber auch noch eine Dose mit grüner Farbe und danach noch eine mit roter Farbe heraus und pinselte auf den Text ein, dass die Farbspritzer nur so durch die Luft sausten. Manchmal überstrich er sogar das Blau auch noch mit roter Farbe. Das kleine hässliche Textlein war so glücklich, weil es dachte, dass es nicht mehr unansehnlich sei.
„Danke, guter Mann,“ sagte er mit Freudentränen in den Augen, „aber vielleicht hast du noch etwas Farbe für meine Freunde übrig.“ Das ließ sich der Meister nicht zweimal sagen und er schwang den Pinsel wie es die Welt noch nie gesehen hatte und er malte alle Texte in einem solchen Eifer an, dass er vor Erschöpfung tot umfiel.
Da nun auch die anderen Texte so bunt waren, sah unser hässliches kleines Textlein, was aus ihm geworden war und erschrak. Es versuchte die Farbe abzurubbeln, aber es war zu spät.
Und liebe Kinder, was lernen wir daraus? Richtig – Nichts, denn das ist hier nur ein sehr langer Text, der nur den hilflosen Gebrauch von Farbe zur Hervorhebung scheinbar wichtiger Textpassagen anprangern will.
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