Mit Kanonen auf Spatzen
August 2008 | Meinung von Martin Opitz | Neue Artikel per Mail erhalten
Dies ist adressiert an die Freunde des gepflegten auf-der-Lauer-liegens. Wenn jemanden Namen wie Ruspolituraku, Riefenschnabelani oder Hoatzin unbewusst sofort nach dem Feldstecher griffeln lassen und der Gattin zuflüstern, dass sie das Feldgeschirr zusammenpacken möge und die Wanderbereifung aus dem Schuhschrank abstauben soll, dann hab ich für jene ein Juwel in Druckform gefunden, welches den Ansprüchen eines zweimal-im-Jahr Hobbyornithologen versucht gerecht zu werden.
Das Magazin/Heft/getackerte Papierstapel des Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. macht mit der Zaunpfahl-Methode ersteinmal auf dem Cover auf den nun folgenden Inhalt aufmerksam. Denn, wie sollte es anders sein, ziert ein riesenkleiner Vogel, der mich stark an einen Spatz erinnert, was wiederrum jetzt Empörung auslösen wird, da dies sicher ein braunköpfiger Schwarzschnabelfedermoppel aus dem mittleren Südnorden ist, das Deckblatt des 33 seitigen Naturschutzaufrufes. Hätte ich die drei Leitartikel nicht gesehen, hätte ich das Blatt der Apotheke zugeordnet, da das “Schlaukopf” vermutlich den selben Layouter entgeldlich anstellt.
Ihr brennt doch sicher schon auf die Artikel, die sich hinter dem Gewand der Zeitschrift verbergen, thematisch kennenzulernen. Dann bitte ich jetzt um volle Aufmerksamkeit. Es sollte das Licht gedämpft, die Rollläden heruntergelassen und eine längere Version Carmina Burana aufgelegt werden, damit die Stimmung für den ersten Reisser angemessen erzeugt wird. Denn, und allein dadurch, dass ich einer der Betroffenen bin, kann ich die Schwere dieser Thematik voll und ganz nachvollziehen: Unsere Kinder erkennen die Vögel und ihre Namen nicht mehr!! Schlimmer noch, Jungs erkennen sogar durchschnittlich noch eine halbe Art weniger als Mädchen. Entsetzlich! Allein dieser Satz lies mich dann einfach weiterblättern, schmunzelnd darüber, dass dies ein Leitartikel ist.
Es fällt auf, dass das grün illustrierte Magazin immer wieder den Zeigefinger erhebt, um zu Artenschutz, Feuchtbiotopschonung oder Vogelkenntnis aufzurufen. Gut versteckt, zwischen den Zeilen der Piepmatzbeschreibungen und Ornithologenarsenalwerbung, wie Fernglas oder Gänsetröte. Wer ein harter Auf-der-Lauer-Lieger ist, kann sich mit dieser Ausgabe des Tierschutzbundes sicher die Wartezeit vertreiben, bis ein seltener gemeiner Hausgartenzaunbraunkörperspatz in Vogelform vor seiner Swarovskilinse vorbei flattert, aber für Otto Normalvogelnichterkenner ist das weder interessant, noch bekehrt es einen Sündiger zum militanten Naturschützer. Schade, und dass obwohl das Thema doch im Allgemeinen so uninteressant ist.
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Hätte ich gar nicht gedacht, dass es “so” schlecht abschneidet. Aber ich denke es wird schon einige geben die genau das lesen wollen und gleichzeit schöne Bildchen anschauen möchten… Grüßle K.