Setzen Sechs!
Mai 2008 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhalten
Retro ist toll, retro ist chic und so so schön – also meistens, nicht immer, manchmal – kommt halt drauf an. Aber wenn etwas vor Jahren schon traurig und schlecht war, dann muss man das doch nicht unbedingt wieder ausgraben, oder?
Also liegt jetzt der aktuelle Solarbrief, die Zeitschrift des Solarenergie- Fördervereins Deutschland e.V., vor mir und bereits auf der Titelseite offenbart sich eine Beleidigung für das menschliche Auge. Das ist ein bisschen so, als wenn man einen Godzilla-Film aus den Fünfzigern schaut: Damals war schon augenscheinlich, dass der Protagonist da nicht echt ist, aber mit der Erfahrung heutiger Spezialeffekte wird das zum Trash. Ebenso Filme, in denen die Schnur, mit der die Raumschiffe durchs Kulissenall schwebten, für den Kinogänger sichtbar war – aus heutiger Sicht natürlich total rückständig und lächerlich – aber damals noch verzeihbar.
Wenn man nun diesen Solarbrief durchblättert, sieht man aber irgendwie ständig die Schnur im Bild und fragt sich, wieso die es nicht schaffen, eine ordentliche Grafik, ein ordentliches Text-Weißbild-Verhältnis, ab und ein mal ein bisschen Farbe, und wenn das nicht, dann ein paar nette Kontraste oder überhaupt irgendwas einfließen zu lassen, was das Magazin optisch über das Niveau einer Schülerzeitung hieven könnte.
Die Porträtfotos sind uneinheitlich, dann sind mal willkürlich irgendwelche Icons aus der Clipartliga an den Rand geballert und die Grafiken…, nun ja - Excel ist jetzt nicht unbedingt das professionellste Gestaltungsprogramm und jeder halbwegs computeraffine Depp macht so eine Grafik zumindest nicht schlechter.
Insgesamt fehlt jede Liebe zum Detail, alles grau, monoton und öde. Das gesamte Magazin hat gestaltungstechnisch eine Qualität, welche aus den Anfängen des Computerzeitalters stammen könnte. Wenn die Rückbesinnung auf antiquierte Gestaltungsmöglichkeiten Intention der Macher war – dann ist das mal mutig zu nennen.
Dass ein Solarenergie befürwortender Verein Recyclepapier nutzt, ist schlüssig – aber wenn man sich das Heftchen anschaut, ahnt man bereits, dass es wieder dahin gehen wird, von wo es gekommen ist.
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