Schön gerade sitzen
Juni 2008 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhalten
Das Instrument Direkt Marketing ist nicht neu und dennoch schwellt die Brust beim Lesen des eigenen Namens auf einem Magazin derart an, wie es sonst nur eine allergische Reaktion hervorzurufen vermag.
„Hallo, Heinz-Harald, haste Rüchenschmerzen?“ So sinngemäß spricht Gesundheit Konkret, das Magazin der Gmünder Ersatzkasse, seinen jeweiligen Leser an.
Jetzt horche ich einerseits in mich hinein und überprüfe spontan meine körperliche Befindlichkeit und andererseits frage ich mich, wo zum Geier Gmünd liegt.
Problem Zwei ist dank Google schnell abgehakt. Aber das Ding mit dem Rückenleiden; woher wissen die das? Ist Deutschland doch weit mehr ein Überwachungsstaat, als wir es bisher schon befürchteten. Senden nun auch schon Unternehmen ihre Microdronen aus, die uns in unseren heiligen vier Wänden beobachten und so ihre Leser mit dem auf diese Weise erworbene Wissen verblüffen können?
Mystisch und orakelgleich sind die ersten Attribute, die mir da einfallen. Aber beim näheren Überdenken entlarvt sich die Frage nach den Rückenschmerzen als den gleichen Mechanismen eines Horoskopes folgend. Klar habe ich Rückenschmerzen. Die haben 80 Prozent der Deutschen. Wenn man auch noch Heinz-Harald heißt, ist die Wahrscheinlichkeit auch nicht gerade geringer geworden. Der Zauber ist verflogen.
Da ich zudem oft genug irgendwelchen Minoritäten angehöre, wird mein Wunsch, von derartigen Schmerzen geplagt zu sein, zunehmend stärker. Und nun möchte ich mich eigentlich den individuellen Lösungsvorschlägen von Gesundheit Konkret hinsichtlich meines physischen Dilemmas hingeben.
Aber Ansprachen wie: „Lieber Heinz-Harald, immer schön gerade sitzen!“ oder dergleichen, die den persönlichen Kontakt zwischen mir und dem Blatt weiter hätten pflegen können, suche ich dann leider vergebens.
Dafür gibt es ein paar allgemein gehaltene Tipps und Abbildungen von Übungen zur Behebung des hinterwärtigen Leidens. An dieser Stelle ist mir die mit Seite 2 einkehrende unpersonifizierte Magazingestaltung durchaus lieb. Es reicht schon, wenn meine Großmutter mich hinsichtlich meiner Körperhaltung ermahnt.
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