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Aufstiegschance verpasst

Juni 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhalten

“Was willst du mit diesem Studium eigentlich anfangen?” Sind hier Absolventen mit geisteswissenschaftlichen Backround zugegen, die sich an diese während des Studiums immer wieder gestellte und düster im Gedächtnis gebliebene Frage erinnern? Und vor allem an die prägnant-abweisende Antwort “Irgendwas mit Medien”? Eine sprachlich ähnliche, von Entnervtheit gezeugte Bemerkung erntete in diesen Tagen ein jeder von mir, der mich bezüglich des Aufstieg und Fall fragte, was und wie es denn so sei: “Irgendwie ein Magazin halt.” Denn in der Tat fällt es schwer, Intention, Inhalt und Wirkung des neu auf dem Markt erschienenen Printprodukts zu beschreiben: Es scheint auf den ersten Blick interessant, irgendwie. Sieht auch gut aus, irgendwie. Und es geht um, tja, um was eigentlich? Irgendwie um alles - und nichts.

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“Das Leben ist und bleibt eine Reise und alles, was wir sehen, hören und fühlen, fällt auf diesem Weg zusammen und formt, wer wir sind. Menschen kommen und gehen, Trends steigen auf und werden bedeutungslos, Ideen verfüchtigen sich. Das Beste, was wir tun können, ist dabei bleiben und die Reise genießen. Die Welt ist ein komplexer, schauriger, schillernder Ort und Aufstieg und Fall ist ein neues Prisma, durch das wir das Leben filtern.”

Sie soll also durch Redaktionsaugen reflektiert werden, die bunte Welt da draußen. So muten zumindest die im Editorial geäußerten Gedanken des Chefredakteurs an. So oft sich der gewillte und von Neugier erfasste Leser die Zeilen des Editorials auch zu Gemüte führt, schlau wird er nicht daraus. Um welches Auf und Ab des “Abenteuers” Leben es eigentlich gehen soll, mit welcher Art der Betrachtung und Reflexion zu rechnen ist und vor allem in welchem gesellschaftlichen Kontext die von der Redaktion gefilterten Geschichten zu erwarten sind, wird nur der verstehen, dem sich auch der Leitgedanke der ersten Ausgabe erschließt. Sich das Zitat “Everything that rises must converge” als solches an die Redaktionsfront zu tackern, hat schon etwas vom Literarischem Quartett: Hört sich unheimlich vielsagend an, sagt aber eigentlich gar nichts - zumindest mir nicht.

So breit, wie Thematik und Editorial vermuten lassen, kommt nun auch ansatzweise der Inhalt daher: Als Aufmacher fungiert ein Ariadne von Schirach-Beitrag über die Kunst des Hochschlafens, zum Abschluss kommt im Interview der Simon von den Kilians - eine Indieband - zu Wort. Zwischendrin gibts Bilder- und Illustrationsserien, eine biografische Katzenbiografie in sieben Kurzberichten und ein Interview mit einem Trendscout. Das Aufstieg und Fall bietet damit zugegebenermaßen allerhand Lese- und Betrachtungsstoff, der insbesondere durch das sehr interessante, abwechslungsreiche und wirklich etwas andere Design sehr neugierig macht. Doch gerade durch das mutige Auftreten des Magazins in Farb-, Foto- und Layoutwahl schraubt es die Erwartungen für folgenden Content zu hoch.

Denn der Leser findet nicht ansatzweise einen roten Faden, eine thematische Besinnung auf Kernthemen oder irgendeine Orientierung, an die er sich doch gedanklich zumindest ein wenig festklammern kann. Es soll der Aufstieg und Fall des Lebens reflektiert, seine Höhen und Tiefen widergespiegelt und somit eine Art Lebensreise dokumentiert werden. Welcher gesellschaftliche Aspekt für welchen Teil der Gesellschaft, welche Erkenntnisse und welcher Erkenntnisgewinn dabei transprotiert werden sollen, verrät dieses Magazin nicht. Vielleicht, weil es zu viel will. Zu hoch und weit verbreitet sind die Sterne, nach denen es am übervollen Magazinhimmel greift, zu wenig Sinngehalt und Quintessenz gibt es den Lesern mit auf den Weg. Und zu viele Fragen bleiben offen - nicht diejenigen, vielleicht von der Redaktion anvisierten elementaren Lebensfragen, sondern vor allem eine: Warum sollte man sich auf eine zweite Ausgabe einlassen?

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