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Formatvorlage Frühstückstisch

Juli 2009 | Meinung von Jörg Petzold | Neue Artikel per Mail erhalten

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Eines der Dinge, die ich an der deutschen Medienlandschaft bisweilen, aber sicherlich immer dann, wenn sich Kaffee, Rosinenbrötchen, Sonne und eine angenehme Sommerbrise den Platz am Frühstückstisch mit einer Tageszeitung teilen müssen, ärgerlich bis unwahrscheinlich nervend finde, ist die alemannische Vorliebe für große Zeitungsformate. Unter dem Rheinischen macht’s hierzulande doch kaum einer, höchstens das redaktionell aufgewertete Anzeigenblatt vom regionalen EKZ schiebt sich als halbwegs händelbares Tabloid zwischen Kaffeebecher und Marmeladenglas auf die vordersten Ränge bequemer Rezeptionsmethoden. Was mich dann auch immer daran erinnert das mit der spanischen Sprache doch etwas intensiver zu betreiben. El Pais könnte, dank halbnordischen Format, ja gerne funktionieren.

Richtig schlimm wird der normative Argwohn allerdings dann, wenn sich auch Magazine oder Zeitschriften an der gigantomanischen Landnahme beteiligen. Oft gesichtet werden solche faltbaren Leinwände besonders in den thematischen Gefilden von Design, Kunst, Lebens-Art oder neokonservativer Kastenbildung. Architecture Preview schlägt, so glaubt man, in ähnliche Kerben. Und wer sich selbst mit Architecture | Design/Lifestyle | Economy/Marketing verschlagwortet, hat prinzipiell eh schon schlechte Karten für eine gute Meinungsbildung. Denn das Problem summiert sich eigendynamisch auf wie die Rechnungsposten aus der IKEA-Zierrat-Abteilung:

1. Layout: Wer großformatig publisht, braucht große Bilder. Die hat AP, und zwar sehr gute. Alles andere wäre beim Thema Architektur auch eine Enttäuschung gewesen.

2. Inhalt: Viel Platz auf dem Papier = viel Platz für Text = eine Freude für jeden Redakteur. In dieser Disziplin schlägt sich AP wacker, befindet sich aber definitiv noch nicht in der Lifestyleecke, in der auch mal gegen den Strich geföhnte Fragen gestellt werden.

3. Themenauswahl: Man splittet pro Ausgabe in drei Submagazine (Architecture, Lifestyle & Economy) und die Architektur kommt auf jeden Fall am besten aus der Hüfte. Lifestyle hat im Jahr 2009 einen übersättigten Nachgeschmack nach falschem Kroko-Leder und Designerkoks und der Economy-Teil sieht aus wie der aktuelle Lampenkatalog von, nun gut, IKEA.

4. Handling: Scheiße. 440 mal 305, du liebe Zeit….

5. Gesamteindruck: Gut bis sehr gut. Tolles Design, schicke Fotografien plus ein paar redaktionelle Minusse. Es gibt schlimmeres.

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