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Himmel und Hölle

April 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhalten

Ist es unpassend oder gar dreist, bei religiösen Magazinen - also jenen, die an Angehörige einer Glaubensrichtung adressiert sind - von Kundenbindungsinstrumenten zu sprechen? Man würde sie sicherlich nicht so nennen, aber im Prinzip sind sie es doch oder? Magazine wie Nachfolge, ideaSpektrum oder theo informieren, unterhalten und binden. Und sie pflegen das Bild eines Gottes - also quasi sein Image.

Letztlich unterstehen die Magazine also denselben Aufgaben und Herausforderungen wie “normale” CP-Publikationen. Und die fangen, so sie gut gemacht sind, bei der Zielgruppe an - und deren Interessen, Sprache und Blickwinkeln. Schaut man sich nun die drei genannten Magazine etwas genauer an, verschlägt es einem angesichts der Herangehensweise schon die Sprache. In Aufmachung, Tonalität und Inhaltsreichtum können solch verwandte Produkte unterschiedlicher wohl kaum sein.

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Mal abgesehen von Gestaltung, Layout und Titelbild, die bereits einen ersten Eindruck über die mehr oder weniger verwendete Holzhammermethode geben, bringt die Art und Weise der Ansprache den Leser doch ins Grübeln, wie viel Weltoffenheit, Weit- und Umsicht da denn wirklich drinsteckt. Und ob es so etwas wie Humor, Wortwitz oder gar einem Schuss Selbstironie unter den Machern und Lesern der Magazine gibt. Ganz ehrlich: Bei der Nachfolge habe ich nicht das Gefühl. Fast jede Überschrift, jeder Beitragseinstieg und ausgewähltes Zitat lassen mich beim Durch- schnell Weiterblättern. “Mein Leben zu Gottes Freude” oder “Die Einzigartigkeit Jesu Christi” - das ist, als ob im BMW-Mag die Überschriften ein einzige Werbeslogan-Anreihung wären. Es sind Beiträge, die - zugegebenermaßen dem ersten Anschein nach - keinen Blick nach links oder rechts zulassen und ganz überspitzt gesagt jeden, der nicht zu einhundert Prozent fest verankert mit dem christlichen Glauben ist, eher wegrennen lassen als (lese-)begeistern werden.

Ganz anders kommt da das katholische Magazin theo daher. Neben der viel locker-leichteren Gestaltung fällt vor allem die Inhaltsvielfalt auf. Hier werden Themen wie Religiösität und Liebe weitsichtiger, alltäglicher, insgesamt viel menschlich wirkender aufgearbeitet und abwechslungsreich präsentiert. Bereits beim “Querlesen” bleibt man hängen, was sicherlich auch jenen so geht, die sich der katholischen Kirche nicht verbunden fühlen - ein absoluter Pluspunkt des Magazins. Was zudem positiv auffällt, ist ein feiner Humor, der zur Leselust nur beiträgt - wenn zum Beispiel das Portrait eines Konditormeister damit beginnt, dass selbst der Papst dessen Torte zum Niederknien finden würde. Oder die Rubrik für Kurzmeldungen “Gott und die Welt” zu betiteln - herrlich.

Bleibt zum Schluss das ideaSpektrum: Insgesamt ist es ein grundsolide wirkendes Nachrichtenmagazin, das thematisch und redaktionell nichts verkehrt macht und bodenständig, wenn auch grafisch nicht sonderlich vom Hocker reißend, daherkommt. Insgesamt: lesenswert, zielgruppenadäquat umgesetzt und durchaus sympathisch. Zwischen Himmel und Hölle sozusagen.

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