Ode an ein altes Frollein
November 2009 | Meinung von Katja Kretschmar | Neue Artikel per Mail erhaltenSchonmal was vom Bullerbü-Faktor gehört? Oder der Spagetti-Religion? Wussten sie, dass Tel Avivs Buchläden sterben, dass ein Ehevertrag auch keine Lösung ist und dass man auch als lahme Ente sicher und gemütlich durch New York kommen kann? Wen all das interessiert, der sollte unbedingt einen Blick in Das Magazin - am besten gleich in das gesamte Archiv - werfen. Als eine der vielfältigsten, buntesten und vorwitzigsten Zeitschriften, die die deutsche Medienlandschaft aufzuweisen hat, hat es sich an dieser Stelle eine Huldigung verdient.

Mit seinen nun mittlerweile 80 Jahren auf dem Buckel hat das ostdeutsche „Frollein“-Wunder unter den deutschen Magazinen nicht nur den 2. Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden, sondern konnte sich auch in der ehemaligen DDR trotz der allzu bekannten Repressalien mehr als nur erfolgreich behaupten. Und dabei hat es sich stets seinen fratzig-frechen und hinterher-immer-schlauer-seienden Charakter bewahrt. Ob nun unter der Laden-Theke wie zu DDR-Zeiten oder über halb derselben nach der Wende - das kleine bunte Heftchen hat seine Qualität und seine Unabhängigkeit mutig verteidigt und sich selbst immer wieder den Zeichen der Zeit angepasst.
In letzter Zeit jedoch scheint das Magazin leider ein wenig blind geworden zu sein, es beklagt sich immer wieder über seine schlechten Finanzen, welche wohl bedingt ist durch die desolate Lage auf dem Print-Medien-Markt. Dabei sollte es vielleicht bedenken, dass man sich nicht nur thematisch ständig weiterentwickeln muss um aktuell zu bleiben. Es müssen auch neue Verbreitungswege erschlossen werden, um bekannt und beliebt zu bleiben. Beispielsweise kommt der Online-Auftritt trotz netter bunter Bildchen doch eher bieder und schüchtern daher. Die Website bietet wohl-dosierte Zusammenfassungen der aktuellsten Ausgaben, ein komplettes Archiv, ein paar journalistische Kostproben und einen kleinen Leser-Shop. Weit darüber hinaus geht es jedoch leider nicht.
Um sich in Zukunft auf dem hart umkämpften Markt behaupten zu können, müssen verstärkt modernere Kommunikationsmittel genutzt werden. Warum bietet man zum Beispiel nicht einzelne Artikel als podcasts zum Unterwegs-Hören an? Wieso gibt es keine stärkere Vernetzung zumindest in den größeren Netwerken wie facebook oder myspace? Sicherlich könnte man auf diesem Wege eine noch viel größere Leserschaft erreichen als es momentan überhaupt möglich ist.
In diesem Sinne: Wache endlich auf aus deinem Dornröschen-Schlaf, Magazin! Ansonsten mach nur weiter so!


Publishing Lounge








Sehr guten Tag!
Via Newsletter folgte ich diesem Beitrag und las die Krankheitsgeschichte und Genesungswünsche des Autoren, bezüglich des mir eben noch unbekannten und doch aber wohl länger als lang herausgegebenen Magazins.
Auch von meiner Seite aus: dem Fräulein Wunder beste Genesung und ein langes Überleben! Und Ihnen auch!
M.A.H.
Interessant und auf den Punkt gebracht. Hat doch die Auflage arg abgenommen und der restliche harte Kern das Magazin am Leben gehalten!
Leider erreicht die Zeitschrift mit ihren substanziellen Artikel zu wenig Leser, da diese entweder nicht lesen wollen (können).
Interessant und auf den Punkt gebracht. Hat doch die Auflage arg abgenommen und der restliche harte Kern das Magazin am Leben gehalten!
Leider erreicht die Zeitschrift mit ihren substanziellen Artikel zu wenig Leser, da diese nicht lesen wollen (können).
Aufwachen!