Zahnarztlektüre
September 2008 | Meinung von Tina Neundorf | Neue Artikel per Mail erhalten
Eine Menge Weißraum wird im Print gerne mit Exklusivität assoziert – hier findet er sich sogar schon auf dem Cover. Um ein auffällig winziges zentriertes Bildchen formiert sich auf dem Titel des Kundenmagazins der Deutschen Vermögensberatung nämlich vor allem eines: Nichts. Das heißt, da ist schon etwas, aber dieses Etwas ist eben nichts weiter als weißes Hochglanzpapier.
Aha! Auch noch eine glänzende Oberfläche. Ansonsten nur schwarze Lettern und ein golden-kupferfarbener Balken am unteren Blattrand. Überladen ist hier nichts. Dementsprechend sehen auch die Erwartungen an das Heftinnere aus. Ein offenes Layout mit qualitativ so hochwertigen Bildern, dass sie auch in einem Kunstmagazin zu finden sein könnten – das will man und auch ich sehen.
Stattdessen: Kreisch! Der Zahnarztbohrer aus dem Nebenraum lässt sein durch Mark und Bein gehendes Geheul vernehmen. Die Antizipation von Schmerzen liegt in der Luft. Der Geruch von Desinfektionsmitteln weht durch die Gänge. Ein Kind brüllt aus vollem Halse.
Genau das sind die Gedankenblitze, die mir beim Aufblättern in den Kopf schießen. Warum? Weil sich die Seiten zwischen den Fingern eben viel zu sehr nach SuperIllu anfühlen, um mich etwas anderes empfinden zu lassen. Wie so oft im Leben lehrt einen der “Vermögensberater“, dass hinter dem Ausspruch “Große Klappe, nichts dahinter” oft viel zu viel Wahres steckt.
Wer dieses Heft trotzdem anschauen will, dem sind unbedingt gefühlsunechte Handschuhe angeraten.


Publishing Lounge








