“Auf Augenhöhe” sieht anders aus
Juli 2007 | Meinung von Annegret J. Freitag | Neue Artikel per Mail erhalten
Wenn ein Konzern wächst, indem er kleinere Unternehmen aufkauft, hat er häufig ein Problem: Wie bringt man die Belegschaften zusammen - die bislang ja vielleicht sogar in direkter Konkurrenz standen, zumindest aber meist räumlich weit voneinander entfernt arbeiten?
Empfehlenswert zur Lösung des Dilemmas: Mitarbeitermedien. Ob Magazin, Forum oder Blog: Mit regelmäßiger zielgruppenspezifischer Berichterstattung und aktiver Einbeziehung der Leser wird die Verbindung zum Unternehmen und seinen verschiedenen Bestandteilen geschaffen … oder aber die Mitarbeiter mit endlosen “Liebe-deinen-Kunden”-Mantras traktiert. Ersteres ist dringend zu empfehlen, letzteres dringend zu unterlassen.
Was allerdings nicht immer gelingt - wie am Beispiel des Mitarbeitermagazins des Druckerei-Konzerns Arquana zu sehen. Mit dessen Hilfe sollen eigentlich mittelständische Druck-Firmen in ganz Deutschland unter einen gemeinsamen Hut gebracht werden. Das Blatt tritt mit dem greifbaren Anspruch “für uns - von uns - über uns” an seine Leser. Was sich die Macher jedoch leider nicht verkneifen können, ist die ständige Wiederholung des mehr oder weniger dezenten Hinweises: “DER KUNDE IST DAS WICHTIGSTE!” Dazu gibt’s dann “spannende” Fotos von Rund-Tisch-Gesprächen, natürlich ohne Bildunterschriften.

Bei allen gestalterisch guten Ansätzen wie großformatigen Featurebildern und klaren Elementen: Mit solchen Inhalten verschreckt das Magazin die Leser eher als dass es sie wirklich ans Unternehmen bindet. Dazu sind Beiträge wichtig, die hinter die Kulissen blicken, die Menschen zeigen und eben jene zu Wort kommen lassen, für die das Produkt gedacht ist: die Mitarbeiter. Denn sie sollen sich ja eigentlich wiederfinden - in “ihrem” Medium.
Dies findet auch im Arquana-Magazin in Ansätzen statt - wenn beispielsweise hier eine Buchbinderin, da die bewegte Firmengeschichte eines Neuzugangs im Unternehmen oder dort einige engagierte Azubis vorgestellt werden. Und in diesen Momenten funktioniert das Blatt dann auch. Doch leider sind solche Geschichten “auf Augenhöhe” viel zu selten, um das Heft wirklich zu einer Plattform der Mitarbeiter zu machen. Entsprechend nüchtern und zurückhaltend dürfte auch die Resonanz der Belegschaften auf diesen Versuch der gefühlsmäßigen, gelebten Zusammenführung unter einem Dach sein.
Fazit: Das Engagement, ein Mitarbeitermagazin anzuschieben, ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Doch damit aus einem Schnellschuss kein Rohrkrepierer wird, bedarf es eben eines inhaltlichen Konzeptes, das weniger die Belange der Geschäftsführung als vielmehr die Interessen der Hauptzielgruppe in den Fokus stellt. Die Ansätze dazu sind vorhanden - doch das Bewusstsein für diese Ausrichtung scheint in der Redaktion nicht wirklich angekommen zu sein.
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