Gruselige Augen-Blicke
September 2009 | Meinung von Annegret J. Freitag | Neue Artikel per Mail erhaltenWie war das doch gleich mit dem “große Augen machen”? Richtig! Das Rotkäppchen hat daran weiland den Wolf im Großmutterpelz erkannt. Dabei konnte Isegrim da wahrscheinlich nicht mal was dafür - die Basedowsche Krankheit ist ihm sicher in die Wiege gelegt worden und er hat dafür bestimmt schon im Waldkindergarten so einiges an Häme einstecken müssen. Kein Wunder, dass er so ein verbitterter Misanthrop geworden ist. Tja - dumm für den Wolf, dass er kein kleines süßes Menschen-Mädchen war! Dann hätte man ihm nämlich statt des schießwütigen Jägers einen schießwütigen Fotografen auf den Hals gehetzt - und seine Glubschäuglein hätten ihm nicht Schrot auf dem Pelz, sondern seinen Eltern Zaster in der Tasche eingebracht.

Allerdings bleibt dem hobbymäßig auf gerontalem Gewebe herumkauenden Isegrim damit zumindest erspart, wogegen sich die kleinen Titelbild-Models moderner Familienzeitschriften nicht wehren können: der Eindruck, auf ähnliche Betrachtervorlieben abzuheben, wie gewisse, im Spät-TV promotete Handy-Mangas - und die sind nicht unbedingt kindgerecht…
… aber wo die püppchenähnlichen Knirpse mit den Mega-Kulleraugen doch so süüüüß sind, drücken die Produzenten besagter Magazine da offenbar gerne mal ein Auge zu. Wer allerdings dem brachial eingesetzten Kindchenschema nix abgewinnen kann, den gruselt es bei solchen Bildern fast so sehr, wie dereinst dem lieben Rotkäppchen beim Anblick der vermeintlichen Großmutter.

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