Rolle vorwärts
Mai 2008 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhalten
Dass gesellschaftsrelevante Themen in klassischen CP-Magazinen kaum Eingang finden, ist ein recht erstaunliches Phänomen. Ständig reklamieren die CP-Akteure für sich journalistischen Status und dann werden irgendwelche unternehmensnahen Inhalte vorgestellt und alles dafür getan, dass die Unternehmen, Verbände oder andere Institutionen gut präsentiert werden.
Klar, das ist legitim, aber für das selbst gesteckte Ziel, ein Produkt mit journalistischen Anspruch zu kreieren, ist eine derartige Limitierung der Inhalte ein tragisches Dilemma.
Natürlich ist es verständlich, wenn die Inhalte von Magazinen immer im Zusammenhang mit den Produkten und Projekten der Institution, welche sie repräsentieren, stehen – aber warum dann nicht ein paar ganz winzigkleine Steuerhinterziehungsfälle, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder das Korruptionsgebahren der Firma aufdecken?
Klar im Vorteil ist eine Institution, die sich selbst mit gesellschaftsrelevanten Themen befasst und diese im eigenen Magazin vorstellen und vertiefen kann. So geschehen im Forum, dem Magazin der Bertelsmann Stiftung.
Die Stiftung selbst schreibt sich das Engagement für das Gemeinwohl auf die Fahnen und damit kann sich auch das Magazin in ein thematisches Terrain begeben, welches einen höheren Grad an Relevanz für den Leser beinhaltet.
Machen wir uns nichts vor, dem Rezipienten gehen die Wanderwege der Dübener Heide mal so richtig am verlängerten Rücken vorbei. Selbiges trifft wohl auch auf die Beschreibung einer noch so spannenden Region zu, deren Erwähnung einzig auf die Geschäftspartnerschaft mit dem das Magazin herausgebendem Unternehmen zurückzuführen ist.
Hingegen sind Themen wie Bildung, Kampf gegen rechtsextreme Gruppierungen, Integration von Migranten oder die Rolle Europas hinsichtlich der Konflikte im Nahen Osten von einem Kaliber, wo der Leser sich doch glatt mal aufrecht hinsetzt. Natürlich ist auch hier die Motivation für den Eingang dieser Themen ins Magazin, dass die Stiftung ihre eigenen Projekte vorstellen und damit ihren Außenauftritt verbessern kann.
Das wird ein solches Magazin wohl immer von einem rein journalistischen Produkt unterscheiden. Aber wenn der Anteil journalistisch motivierter Beiträge mit relevantem und aktuellem Inhalt in einem gesunden Verhältnis zur Unternehmens- bzw., wie in unserem Fall, Stiftungspropaganda steht, ist der erste Schritt zu einer Annäherung an die selbst gesteckten Ziele schon einmal beschritten.
Aber liebe Bertelsmann Stiftung – so relevant und freudespendend die Themen auch sein mögen, mal so ein kleiner Korruptionsskandal würde die Sache ja schon mal ein bisschen aufpeppen. Und der Rezipientenkreis ließe sich damit wohl auch fantastisch erweitern.


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