Schizophrenie in der CP
November 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhaltenDas ist echt knifflig. Also so richtig, meine ich. Wenn ich dieses visuelle Erlebnis in Form einer handwerklich wirklich gut gemachten Grafik mal kurz wiedergeben darf: Zusehen ist ein zweigeteiltes, fototricktechnisch zusammengebasteltes Bild, das links einen Mann mit Arbeitsoverall und Ohrenschutz in Fabrikhallenatmosphäre zeigt und rechts denselben in sagen wir einmal heimischer Umgebung, leger gekleidet mit Kopfhörern, aus denen - wahrscheinlich - klassische Musik zum Entspannen dröhnt. Es ist, um das nocheinmal deutlich hervorzuheben, ein und derselbe Mann - einmal im beruflichen, einmal im privaten Kontext. Wie die Coverzeile “Teilen und Rechnen - Altersteilzeit und die Rente” vermuten lässt, geht es im Aufmacherbeitrag also um jene Übergangsphase zwischen Arbeitsleben und Ruhestand. Das legt ja auch das Foto nah, in Verbindung mit der Textaussage bin ich mir da so ziemlich sicher: Ja, es geht um Altersteilzeit.

Andererseits: Er könnte natürlich auch ein völlig anderes Sujet auf die Agenda holen, der Aufmacherbeitrag des Magazins der Deutschen Rentenversicherung “zukunft jetzt”. Ich weiß nicht, Schizophrenie vielleicht? Oder die Qualität von Kopfhörern? Um auf Nummer sicher zu gehen, dachten sich die Blattmacher vielleicht, werden wir das gleiche Bildmotiv mal lieber innerhalb des Beitrages noch einmal aufgreifen - nur, dass es hier keine Verwirrungen gibt! So bekommt der Leser beide Fotohälften des Covers - genau dieselben! - im Beitrag gleich noch einmal vor die Linse gehauen. Nun weiß wirklich jeder, dass es um eine und dieselbe Person geht, die noch arbeitstätig ist, aber auch schon mehr Freizeit hat als die Normalberufstätigen. Hm - wird hier möglicherweise TATSÄCHLICH die Altersteilzeit thematisiert?

Richtig sicher scheint sich die Redaktion nun doch nicht gewesen zu sein, ob das wirklich rüberkommt bei der Leserschaft. Ist nun auch irgendwie verständlich: Die Schizo-Bilder könnten ja auch irgendetwas anderes bedeuten - eins und eins zusammen zu zählen ist manchmal schwierig, knifflig eben. Was also tun? Richtig: die ursprünglichen Schnappschüsse des männlichen Covermodells nochmal einzeln abbilden. Aber dieses Mal als ganzes Portrait! Vielen Dank, liebe Redaktion - jetzt haben wir es verstanden! Es geht hier HÖCHSTWAHRSCHEINLICH um die Altersteilzeit.

Es ist nicht wirklich die Idee, die hier für’s Naserümpfen sorgt. Im Gegenteil: Das Cover ist wirklich gelungen. Aber bei der Lektüre fühlt man sich nun doch verkohlt. Ein anderes Bildmotiv oder einfach eine andere Perspektive hätten die Geschichte rund gemacht. Ein und dasselbe Bild per Copy-and-paste mehrmals zu verkloppen ist traurig und unprofessionell. Und wirkt, als ob der Fotograf keine Lust auf seinen Job hatte - genauso wenig wie die Blattmacher selbst.
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Echt schade, dass man sich da nicht mehr Mühe gegeben hat. Das Titelbild ist echt nicht schlecht. Aber so wird es natürlich langweilig. Vielleicht hatte die Bildredaktion keine anderen Fotos zur Hand? Dann sucht euch einen anderen Fotografen! Es gibt wirklich genug…
Das Bild gefällt mir auch sehr gut. Aber werden bei einem Shooting nicht gleich mehrere Bilder aus mehreren Perspektiven gemacht? Ist sowas nicht Standard? Bzw. denkt man sich sowas nicht eigentlich?
Wie auch immer; wenn nun hinter dem Reißverschluss noch Teile der dahinterliegenden Seite zu sehen wären, würde es mir noch besser gefallen. Aber das ist Geschmackssache.