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Schön wie Leggins

Juli 2008 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhalten

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In den letzten Wochen haben sich einige Magazine zum Thema Schwangerschaft, Baby und Kind angesammelt und so bleibt uns an dieser Stelle eigentlich kaum etwas anderes übrig, als auch mal eine Babyreihe zu starten.

Den Beginn soll heute die aktuelle Ausgabe der „Baby-Post“ machen. Wobei das Attribut aktuell bei gleichzeitiger Betrachtung dieses Heftchens einem Paradoxon gleichkommt. Wir wollen es mal gnädig als Relikt aus dem letzten Jahrhundert bezeichnen. Nahezu alles, was modernes Layout bei einem Magazin ausmacht, muss den Machern dieses Blattes irgendwie entgangen sein.

Der erste Blick fällt natürlich auf das Titelbild. Bei diesem hat man unterhalb des Titelbildes extra Platz für was auch immer gelassen, dann letztlich aber irgendwie vergessen, diesen Platz auch zu füllen. Vielleicht hätte man die Teaser da einbauen sollen, denn diese kämpfen mit Hilfe von Farbeinsetzung so verkrampft um Aufmerksamkeit, dass es dem Betrachter die Tränen in die Augen treibt.

Erschwerend kommt ein Titelbild hinzu, dessen technische und motivische Realisierung aus einer Zeit entsprungen zu sein scheint, in der Synthie-Pop und bunte Leggins erstmalig ihre zerstörerische Strahlkraft auf den Pöbel ausübten.

Apropos Farbe: Die Macher des Heftchens, und das meine ich mit all seiner zur Verfügung stehenden negativen Konnotation, haben sich in wohl Jahre andauernden Brainstorming-Sitzungen einen Zaubertrick zur Auflockerung ihrer Seiten erdacht – die zweifarbige Überschrift. Die Teaser auf dem Titelbild lassen bereits erahnen, was dem armen bemitleidenswerten Leser blüht.

Jedem Beitrag wurde im Inhaltsverzeichnis eine eigene Farbe zugeteilt. Das ist prinzipiell ganz gut für die Leserführung. Dann aber auch noch eine Zweitfarbe beziehungsweise eine so geringfügige Abstufung der ursprünglichen Farbe einzusetzen, um aber nicht, wie man nun denke könnte, Wichtiges hervorzuheben, sondern um scheinbar einen völlig willkürlich gesetzten optischen Reiz zu provozieren…

Während die Kreativität der Layouter sich in den meisten Beiträgen auf eine unmotivierte bicolorale Einfärbung der Überschriften „beschränkte“, muss man den Titelbeitrag als eine unglaubliche Fundgrube für labile Hobbyverschwörungstheortiker einstufen. Die Colorierung von Zeichen und ganzen Wörtern muss doch ein Hinweis auf einen Subtext sein, den es zu dechiffrieren gilt.

Vielleicht habe ich mich auch von der an ein Magazin angelehnten Aufmachung des Heftchens irreleiten lassen und den eigentlichen Verwendungszweck des Blattes gar nicht erkannt. Babys lieben buntes Papier, an dem sie dann so richtig herumreißen können. “Baby-Post” - man hätte auch früher drauf kommen können…

Kategorie: Qualität im CP CPL-Award

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2 Kommentare »

  1. Ha, wie geil. Ich habe vorgestern meinen alten Schrank ausgeräumt, und da kamen auch haufenweise solcher Zeitschriften zum Vorschein. Meine waren aber von 1998, und nicht so “aktuell”, wie deine hier abgebildete.

    Das Layout sieht wirklich sehr eigenartig aus. Wirkt eher wie ein Low-Budget-Heftchen :D

  2. Es ist in der Tat sehr erstaunlich, wie stiefmütterlich oft die Gestaltung des Aushängschilds eines Magazins angegangen wird. Aber dazu ist die CP-Lounge ja da, derartiges anzumahnen ;)

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