Wie man einen Baum fällt
Mai 2008 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhalten
Bei den meisten Dingen, die man auf dieser Welt machen kann, gibt es in der Regel immer eine Handlungsalternative – manchmal auch zwei, drei oder noch mehr.
Wenn ich einen Baum fällen will, dann kann ich dafür eine Axt, eine Hand- oder eine Motorsäge zur Hilfe nehmen, mit einem Auto so lange dagegen fahren, bis das Gewächs die Biege macht, oder einfach einen Biber dressieren.
Auch für die Herstellung eines Unternehmensmagazins bieten sich reichlich Möglichkeiten, ein ordentlich bis feines Produkt zu kreieren. Vieles ist den Bedingungen und dem Corporate Design des jeweiligen Unternehmens unterworfen. Aber eben nicht alles.
Schauen wir uns heute einmal NAHVERKEHR Mitteldeutschland, das Unternehmensmagazin der Mitteldeutschen Verkehrsbetriebe (MDV) an:
Ich möchte zunächst einmal mit dem ersten Satz des Heftchens beginnen. Es spricht der Geschäftsführer des MDV Dr.-Ing. Werner Meier: „Liebe Leserinnen und Leser, ein Blick nach draußen bestätigt: Der Frühling ist nicht mehr aufzuhalten.“ Was für ein Einstieg. Würde jetzt noch der Nachsatz fehlen: Wir haben es wirklich versucht, aber es hat leider nicht geklappt. Wie ärgerlich für uns, jetzt fahren die Menschen wieder Fahrrad…
Das Fahrrad fahren und das Wandern wird auch gleich mal auf den ersten Seiten des Magazins thematisiert. Das kann man machen, auch als MDV, denn man weiß ja um die Trägheit der Menschen in unserer Gesellschaft. Ist der Unternehmenslustige erstmal auf dem Rad, merkt der ohnehin nach qualvoller Strampelei, dass er nimmer mag. Dann springt natürlich der MDV hilfreich zur Seite und kassiert für Mensch und dessen ursprünglich zur Bewältigung der Strecke B zurück nach A vorgesehenes Gefährt. Inhaltlich daher auch völlig schlüssig, praktisch alternativlos?!
Besonders gut gefällt die Rubrik: “So gesehen!” Diesmal mit dem Thema: Fahren mit Bus, Tram und Bahn – der Umwelt zuliebe. Hier kommt dann mal der Bürger zu Wort, um genau zu sein derer vier. Diese bestätigen unisono die inhaltliche Vorgabe der Überschrift. Abgesehen von der 81-jährigen Oma Keil, die leider kein Auto mehr fahren darf, erzählen die auch alle, dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sooooo viel günstiger sei, als die Bewältigung der gleichen Strecke mit dem Auto – was sollen sie denn sonst im Magazin der MDV sagen.
Insgesamt beinhaltet das Magazin sieben Rubriken: Thema, So gesehen, Tacheles, aus den Regionen, Vorgestellt, Hintergründe und Kurz gemeldet – das ist in Ordnung so, es tät dem Leser aber vielleicht ein wenig helfen, wenn man diese Rubriken auch optisch und nicht allein inhaltlich voneinander trennen würde. Na gut, ganz oben in der Kopfzeile findet sich ganz ganz winzig die Rubrik benannt – aber im Ernst liebe Leute, da geht doch noch was, oder?
Bei den im Magazin integrierten Bildern wird einem nicht selten die Notwendigkeit von Bildunterschriften gewahr. Bestes Beispiel ist die Bebilderung der Besichtigung des VAMOS-Modells, einem modernen Gleiskörper der Leipziger Verkehrsbetriebe durch den OBM Burkhard Jung. Ich danke für die unter dem Foto stehende Erklärung dessen, was ich da sehen soll, denn weder erkennt man den so genannten Leoliner noch den OBM in seiner vollen Pracht.
Fassen wir kurz zusammen, der Baum ist gefallen und die Bibervariante war es keinesfalls. Zudem hätte man vielleicht vorher noch darüber nachdenken sollen, wohin der Baum stürzt.
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