Wem gehört die Überschrift? (I)
Januar 2008 | Meinung von Sandra Simon | Neue Artikel per Mail erhalten
Die Überschrift - eine der schwierigsten Disziplinen in der journalistischen Praxis und eine Gratwanderung für Texter und Layouter im Alltag zugleich. Denn wem gehört sie denn, die Überschrift? Dem Texter, der zwar die inhaltliche Richtung vorgegeben hat, aber von grafischer Gestaltung keine Ahnung hat? Oder gehört sie dem Grafiker, der sorgfältig mit Lineal und Hilfslinie die Abstände bestimmt - inhaltlich aber eine Niete ist?
Folgende Ausgangssituation: Der Texter verfasst für ein hochwertiges CP-Produkt einen Beitrag über die neuesten Entwicklungen im Unternehmen “Haumichblau”. Er schreibt ihn auf Länge - passgenau. Nur der Header fehlt noch. Gleichzeitig bastelt der Layouter akribisch an den Abständen, bearbeitet die Fotos und legt weitere Seiten und Farben an. Der Texter sitzt zumindest äußerlich entspannt auf seinem Platz, kaut auf dem Stift und starrt ins Leere. Dann ein Geistesblitz: Nachdem er alle wesentlichen Fakten im Kopf sortiert hat, hat er sie - die perfekte Überschrift.
Und nun?
Fallbeispiel A: Die Überschrift gehört dem, der sie schreibt.
Der Texter haut in die Tasten, unabhängig von Layout und grafischen Vorgaben. Nachdem er konzentriert getippt hat, stellt er fest: “Die passt da gar nicht rein - die Überschrift.” Was tun? Ganz einfach: Mit dem Finger schnippen, zum Layouter gehen und sagen: “Du, das passt so nicht - muss aber.” Dann wird flugs der Textkasten aufgezogen und schon ist sie drin, die tolle Überschrift. Leider, und man muss wirklich leider sagen, schafft es die Überschrift zwar in das Hochglanz-CP-Produkt, nicht aber durch die nächste Blattkritik. Der Chef vom Dienst ist außer sich: Wozu ein Styleguide, wenn dann doch alles über den Haufen geworfen wird.
Fazit: Dem Texter gehört die Überschrift also nicht - zumindest nicht allein.
Oder was meinen Sie?
[Fortsetzung folgt… / Bildquelle: sxc]
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manueller Trackback:
http://www.mehralstext.de/index.php/blog/ideen/ueberschrift/
Auszug aus Kommentar:
“… wem gehört die Überschrift? Dem Texter oder dem Layouter? Ein interessanter Beitrag, der schildert, wie es oftmals läuft. Ich meine, dass die Überschrift natürlich dem Texter “gehört”, besteht sie doch aus Worten und ist demnach TEXT.
Ich meine aber auch, dass Texter und Layouter eigentlich immer, aber gerade bei Headlines Hand in Hand arbeiten sollten. Nur so kann ein überzeugendes Content-Design entstehen. Das ist nicht immer einfach. Vor allem dann, wenn ein Unternehmen zwei Dienstleister beauftragt hat, die sich nicht kennen. Und jeder textet, bzw. layoutet so vor sich hin.
Aber auch in solchen Fällen… [mehr im Blog]
Trackback: “Corporate Publishing Lounge: Wem gehört die Überschrift? Die Überschrift - eine der schwierigsten Disziplinen in der journalistischen Praxis und eine Gratwanderung für Texter und Layouter im Alltag zugleich. Denn wem gehört sie denn, die Überschrift? …” (Hinweis der Redaktion: Dieser Kommentar wurde manuell von der Trackback-Seite eingetragen)
[…] bin ich doch froh, dass ich zumeist mein eigener Layouter bin. Da kann ich mich mit mir selbst einigen, wenn es zwischen Schönheit und Inhalt Differenzen gibt. Soll ja durchaus vorkommen.In anderen […]
Wenn es soweit ist, dass man sich über die Zuständigkeiten bei der Headline im Sinne eines Besitzanspruchs streitet, sind Hopfen und Malz schon arg in Gefahr.
Toi, toi, toi, ich kenne dieses Problem nicht, man einigte sich bisher immer auf die beste Lösung, vielleicht auch mal auf einen Kompromiss: Immer an den Leser denken, auch über etwaige eigene Eitelkeiten hinweg.
Schwierig wird’s, wenn der Designer selbst eine nicht wirklich zielführende Headline ersonnen hat und sie einfach im Layout nicht ersetzen will. Dann tut eine konzeptionelle Beratung Not.
Der Texter kennt aber Styleguides doch zumeist auch im Vorhinein selbst?
Zudem sind zu lange Headlines selten toll und Texter ohne jede Affinität zur Gestaltung werden’s schwer haben …
@ Tina: Ich sehe beim Weiterspinnen des Themas sogar noch eher das Problem aufkommen, dass beide Seiten - also Layouter und Texter - sich von der Verantwortung “davonschleichen” können und die Entscheidung jeweils dem anderen überlassen - stillschweigend, ohne dies öffentlich aus- und anzusprechen. Dann ist der Mittelmäßigkeit erst recht Tor und Tür geöffnet…
Welch Horroszenario! ;-) Aber so dramatisch isses doch im Alltag selten oder ich bin da ein Glückskind. Ganz davonschleichen kann sich niemand, schließlich muss es einer texten und einer setzen und beide werden (hoffentlich!) für ihren Part bezahlt.
Wenn’s nicht passt oder nicht aussieht und das Layout nicht flexibel ist (kein Vorwurf ans Layout!), hab ich zumeist schon selbst den Wunsch - und die Möglichkeit -,die Headline ändern. Ich verstehe mich mit den meisten Gestaltern, die meine Werke setzen, gut und der kleine Dienstweg ist da ein sehr freundlicher.
Das sind aber auch allesamt keine Designer, die eine Überschrift zu Tode spationieren und irgendwie passend machen würden, nur ums hinter sich zu bringen - weil sie mich nicht fragen können, ob ich’s adaptiere.
In meinem Alltag laufen Länge und Gestaltungsraster aber auch schon deshalb selten auseinander, weil ich frühzeitig Entwürfe zu sehen bekomme oder der Gestalter frühzeitig das Headlinekonzept zu sehen bekommt - wenn man’s schon nicht an einem Tisch erarbeitet.
Hand in Hand - so muss es sein! ;)
Vielen Dank für das Verlinken unserer Seite. Wir freuen uns, endlich ein paar mehr Besucher auf unserem Blog begrüßen zu dürfen. Da hat sich unser Motto einmal mehr bewahrheitet: Auch leere Dosen machen Lärm und auch wer hinkt, kommt voran…
Na, nun stellen Sie Ihr Engagement mal nicht so unter den Scheffel ;) Denn wie sagte schon Cicero: “Gute Taten wollen ans Licht gesetzt werden.” :))