Zu einfach
November 2007 | Meinung von Jacqueline Barth | Neue Artikel per Mail erhalten 
Abiturient Paul (19) liebt Musik und Fotografie. Und so freute er sich über einen Artikel im ZOOM, dem Fotomagazin von Müller.
In der Ausgabe 03/07 gab es die Anleitung zur Konzertfotografie. Paul schrieb sich alle Tipps auf kleine Zettel, überredete seinen Vater, ihm endlich die digitale Spiegelreflex zu kaufen, holte sich Stativ und zusätzliche Speicherkarten. Der Vater gab das Geld gern aus, freute sich, dass der Sohn endlich wieder Interesse für eine Sache zeigte.
Und nun, der große Abend. Dem Paul machten die vielen Zuhörer keine Angst. Das ZOOM hatte ihn ja vorbereitet. Und so legte er los. Wollte ausprobieren, experimentieren, sich nur auf die Anleitungen auf den Zetteln konzentrieren. Doch diese Menschen? Warum klang das im ZOOM eigentlich so, als sei das kein Problem? War es doch, denn das Mikro war immer vorm hübschen Gesicht der Leadsängerin, die Zuschauer hüpften ununterbrochen und streckten die Arme nach oben, stießen ihn versehentlich und ein Dödel trat Paul sogar auf den Fuß, als er an dem vorbei wollte zum anderen Ende der Bühne. Schließlich stolperte Paul über eine leere Bierflasche und fiel hin.
Ein blaues Auge, einen verstauchten Knöchel und die zerlegte teure Spiegelreflex sind das Ergebnis und … naja, einundachtzig unbrauchbare Fotos. Zu dunkel, zu unscharf. Er konnte sich die Fotos nicht schön reden. Aber es hatte doch so einfach geklungen im ZOOM?! Zweifellos zu einfach. Aber niemals ausreichend, um ein Profi zu werden, nicht einmal dafür, ein besserer Laie zu sein. Paul hat’s kapiert.
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