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Dem Baby einen Namen geben (III)

Februar 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhalten

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„Ran an die Räuber“ und „Diese Köder fangen Kapitale“ – zugegeben, wer diese Beiträge liest, wer sich mit Technik, Taktik, Standortsuche auseinandersetzt, könnte sich just im Wirtschaftsteil neoliberalkritischer Gazetten aufhalten. Zu sehr haben Heuschrecken-Schimpfmetaphern – um nur mal “Beute”, “Fischen” oder “Köder” zu nennen – Einzug in den tagespolitischen Jargon genommen. Aber nein, liebe Leser, es ist viel einfacher und weniger im übertragenen Sinne gemeint. Sie verstehen immernoch nicht? Dann haben Sie scheinbar den letzten „Raubfisch“ nicht gelesen, denn genau hier sind genannte Artikel zu finden.

Und damit sind wir beim wesentlichen Aspekt, der beim Konsumieren von Magazinen rund um des Menschen liebsten Freundes – dem Tier – als erstes auffällt: Die Blattbezeichnung kommt auf den Punkt. Oder anders ausgedrückt: Ein „Könnte vielleicht interessant für mich sein“ gibt es bei diesen Printprodukten nicht. In Bruchteilen von Sekunden weiß ein jeder, ob „Die Biene“, „Schafzucht“ oder eben „Der Raubfisch“ für sich lesens- und wissenswerte Informationen bereithält.

Zielgruppenspezifik wird in der Magazinerstellung für die Freunde der Vierbeiner – hier als Synonym für jegliches Getier zu verstehen – also groß geschrieben: Allein der Kuhbesitzer weiß, ob er im „Milchrind“ oder im „Fleischrinder-Journal“ die passende Auskunft findet. Für Nicht-Kuh-Kenner bleibt indes die Frage, welche Lektüre der Hirte eines braungefleckten Tieres vorzieht: das Magazin „Rinderzucht Braunvieh“ oder „Rinderzucht Fleckvieh“? Na, der Profi wird’s wissen.

Natürlich gibt es auch die Normalos unter den Tiermagazinen-Namen. Doch wenn es so wunderbare Titel wie „Hessenjäger“, „Der Blinker“ oder vor allem „kleintier konkret“ gibt – die heutige Nummer Eins der CP-Lounge-Redaktion – warum soll sich da bei „Wuff“ oder „Wendy“ aufgehalten werden? Ein Kritikpunkt bleibt indes: Einige Tierarten sind printtechnisch dermaßen unterpräsentiert, dass über einen Magazinstart allen Ernstes nachgedacht werden sollte. Es fehlen eindeutig Titel wie „Die Kinnfleck-Schmuckschildkröte“, „Neues vom Nacktnasenwombat“ oder „Chinesische Zwergwachtel aktuell“. Sind diese da, ist der Tiermagazin-Markt wohl abgedeckt.

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