Dem Baby einen Namen geben (V)
Februar 2009 | Meinung von Jörg Petzold | Neue Artikel per Mail erhalten


Das Beste zum Schluss, da verhält es sich mit unserer kleinen “Titelwoche” genauso wie mit Eierlikör in Schokobechern; das Grande Finale endet als magazingewordenes Schulterzucken mit einem Paukenschlag, dem, außer einem Güterzug voller Kreativneid vielleicht, nichts mehr hinzuzufügen ist: “DICHT!” - der Trialog der Dichtungs- und Klebetechnik. Mit Ausrufezeichen. Schade eigentlich, dieser Titel wäre im Headshop um die Ecke wahrscheinlich besser aufgehoben (”eh, Atze, haste schon ’s neue “dicht!” gesehen…”).
Beinah ebenso kompakt in Ausdruck und Stil kommt eine Fachzeitschrift für Bau und Technik daher, die den ganzen Neologismen und semantischen Hipstern schlicht und ergreifend “Beton” vor den editorischen Latz haut. Da weiß man nicht nur, was man hat, sondern auch, was es bedeutet. Amtlich. Auch den Metallbauern macht so schnell keiner was vor: “Draht”, “Blech Rohre Profile” oder, zeitloser Klassiker, “Stahl und Eisen” schmiegen sich ans Stahlkocherherz wie weiland Luke an Leia.
Dennoch, all diese Perlen scheinen sich ins Nichts zu degradieren angesichts des Übertitels, vor dem die gesamte Redaktion der CP-Lounge nur demutsvoll zur Seite blicken kann: “Meine Lebenslüge - 12 intime Schicksale”. Man stelle sich nur einmal diverse Szenen am Zeitungsbüdchen vor: “Einmal bitte meine Lebenslüge”. Ganz großer Sport. Und wir können an dieser Stelle versprechen: Die in dieser Woche vorgestellten Magazintitel sind noch nicht einmal die Spitze des Eisberges.
PS: Einen hab ich noch: “Simplify Geld” (Unterzeile: “einfach abgesichert leben”). Aber überflüssig, wo doch jeder weiß, dass das Geld aus der Wand kommt.

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