Nomen est omen?!
Dezember 2009 | Meinung von Annegret J. Freitag | Neue Artikel per Mail erhalten
Dass die Kunst oft eine brotlose Zunft ist, wird einem nicht erst klar, wenn man mal wieder den zehnten Porträtzeichner in der Fußgängerzone umschifft hat. Schon ein Blick auf Carl Spitzwegs berühmtestes Gemälde “Der arme Poet” genügt, um jedem aufstrebenden Geisteswissenschaftler und Kunststudententen klar zu machen: Hier ist nix zu holen. Da ist es eigentlich auch nur eine bewundernswerte Einsicht ins Unvermeidliche, wenn sich eine einschlägige Branchenpublikation wie das Verbandsorgan der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V. gleich im Titel der harten Realität stellt: “ALG Umschau” schreit dem Leser ungeschminkt und bar jeglicher Euphemismen ins Gesicht, wo er sein finanzielles Auskommen finden kann, wenn er in dieser Branche Fuß fassen möchte: im ALG halt - und da wohl eher im ALG II…
Nun ist es sicher nicht die Schuld des Herausgebers, dass vor sechs Jahren ein Gesetz erfunden wurde, das die Sozialhilfe neu benamst - und damit die eigentlich formschöne Abkürzung ALG zum verfemten Begriff macht. Dass sich die Literaten-AG aber selbst nach sechs Jahren nicht zu einem neuen Titel für ihr Blatt durchringen kann, ist eher als verfehlte Sturheit in einem Rennen zu betrachten, das für den Geisteswissen- schafts-Verein nicht zu gewinnen ist. Selbst wenn die Hoffnung darauf, dass sicher irgendwann eine neue Reform für neue Begriffe im Wohlfahrts-Bereich sorgt, nicht ganz unberechtigt ist: Ehe der Name ALG von seinen wohlfahrtsstaatlichen Konnotationen reingewaschen ist, dürften Jahrzehnte vergehen. Von daher, liebe ALG-ler: Schon mal an nen Titel-Relaunch gedacht?


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