Alles lila oder was?
Juli 2008 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhalten 
Nun, da sich der dritte und vorerst letzte Teil unserer Babywoche anschickt, wird mir ein kleines Problem gewahr: Ich bin männlichen Geschlechts, was meine unmittelbaren Erfahrungen in Bezug auf Schwangerschaft einschränkt, um nicht zu sagen gänzlich ausschließt. Und dann bin ich ja noch nicht einmal Vater.
Völlig fremd ist das Thema Schwangerschaft und das daraus resultierende Ergebnis für mich mit nunmehr fünf goldigen Nichten und Neffen nicht, aber ich glaube es mangelt mir an der Fähigkeit, die Welt im zarten Rosa und hellen Blau auch noch schön zu finden.
Wenn nun also ein Heftchen, wie “VMK” (Vater, Mutter, Kind) in den Farben Violett, Flieder und reichlich Rosa daherkommt und wenn sich uns dann ein Titelbild in einer Farbkombination präsentiert, die man so nur als Ergebnis eines Vollwaschganges von sehr viel roter und etwas weißer Wäsche kennt, dann senkt sich mein durch visuelle Reize hervorgerufenes Wohlbefinden ungemein.
Violett ist eine Farbe, die sich aus den beiden Grundfarben Blau und Rot zusammensetzt. Es wird mit den Attributen geheimnisvoll, würdig aber auch einsam und aphrodisierend assoziiert. Als Spektralfarbe entspricht Violett einer Wellenlänge von 420 bis 380 Nanometer und liegt damit am kurzwelligen Ende des sichtbaren Spektrums. Nicht zuletzt steht Violett als Statement der Emanzipation, was ein Erklärungsmodell dafür wäre, dass dem “V” im Magazin lediglich eine Statistenrolle zugesprochen wird.
Ich habe ernsthaft versucht positive Aspekte an dieser Farbe zu finden, daher auch dieses etwas trockene Intermezzo – aber da ist nichts Hilfreiches dabei. Wieso erwählt man also eine solche Farbe als die das Layout des Magazins domierende Colorierung?
In der christlichen Mythologie ist Violett die liturgische Farbe für die Fastenzeit. Auf unser Magazin bezogen wäre das aber ein reichlich subtiler Hinweis darauf, den Gürtel von nun an enger schnallen müssen.
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