Die Vorher-Nachher-Show
September 2008 | Meinung von Jörg Petzold | Neue Artikel per Mail erhalten

“Click!” Aha. Da denke ich doch gleich an ein Foto- oder Videomagazin, assoziiere natürlich falsch und bin deswegen umso erstaunter, als ich erkenne, dass sich hinter diesem Titel das Kundenmagazin der E.ON Thüringer Energie versteckt. Womit wir auch schon bei den beiden Leitmotiven dieses Artikels wären, nämlich “verstecken” und “Fotografie”. Und eins vornweg: Das Magazin an sich geht, bis auf die etwas zu klein geratene Schrift in den einzelnen Artikeln, schon in Ordnung.
Vom Cover blinzelt recht nett Moritz Bleibtreu Steffen Quasebarth. Der Mann moderiert sein 16 Jahren das “Thüringen Journal” des MDR, darf also getrost zu den regionalen Bekanntheiten gerechnet werden und verdient demzufolge auch eine Titelstory im Energieversorgerblättchen. Das Interview mit Herr Quasebarth räumt nun auch nicht unbedingt die Pulitzerpreise reihenweise ab, hangelt sich aber solide durch den CP-bereinigten Fragenkatalog (”Erinnern Sie sich an die peinlichste Situation?”) und ist zudem noch sauber gelayoutet. Nix für’n Kiosk, zugegeben, aber für kostenfrei quartalsweise in den Briefkasten gesteckt, ein unaufgeregtes, solides CP-Produkt.
Was beim vorliegenden Heft allerdings für kurzes Schmunzeln gesorgt hat: Der kleine Designtrick, nach dem sich jeder Echthaarverpflanzer alle zehn Finger lecken würde. Dabei hat es der Steffen Quasebarth doch eigentlich gar nicht nötig, dass man sein etwas schütteres Haupthaar hinter dem dicken, roten Magazin-Header versteckt. Damit wirkt der Sympathieträger aus Erfurt nämlich gleich gefühlte 300 Jahre jünger und effektiverweise denkt dann vielleicht auch die 16-jährige Tochter am Frühstückstisch: Na, da schau ich mir das “Click” doch etwas genauer an. Und muss dann auf Seite zehn der traurigen Wahrheit ins Gesicht sehen. Nix mit Kohortengleichheit, der Steffen ist keine 16 mehr und auf dem nun endlich vollständig einsehbaren Kopf prangt das Leiden einer ganzen Generation ab 30 aufwärts: Der Sportplatz mit Hecke.
“Na und?” möchte man da dem Layouter entgegen schleudern, Mut zur Lücke, wahre Schönheit kommt von innen, selbst die Mona Lisa verfällt und außerdem können Männer trotzdem viel besser Auto fahren. Basta. Weg mit den blöden roten Balken vor spärlich bewachsenen Köpfen, wir wollen alles! Die nackte Wahrheit! Und einen hab ich noch: Ehrlich währt am längsten!
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