Quo Vadis?
August 2008 | Meinung von Tom Schoener | Neue Artikel per Mail erhalten
Der Pinguin ist nach westeuropäischem Verständnis dessen, was ein Vogel ist, sagen wir einfach nicht ganz prototypisch. Das wird wohl daran liegen, dass der westeuropäische Raum weder sein natürlicher Lebensraum noch sein Urlaubsziel ist. Klassisch findet man diesen Strolch im Wasser an, um genau zu sein im offenen Meer. Unsere romantische Vorstellung eines Pinguins lässt diesen stets auf einer Eisscholle in der Antarktis watscheln. Tatsächlich ist sein Lebensraum doch weit aus vielfältiger – je nach Art findet man ihn an felsigen Küsten südlicher Kontinente oder an subtropischen Sandstränden – und natürlich im Zoo.
Dass sich die Vielfalt seines Lebensraumes jetzt doch auf die Leipziger Tieflandsbucht ausgeweitet haben soll, ist neu. Man ist sich auch nicht sicher, ob die Macher von REGJO, dem Regional-Journal für den Wirtschaftsraum Leipzig/ Halle (Saale), hier einen ungewöhnlichen Anflug von Kreativität und im Kontext dessen, einen gewollten thematischen Bruch herbeiführen wollten. Vielleicht waren sie aber selbst etwas ziellos auf der Suche nach einem „coolen“ Titelbild und da lag wohl die eisige Antarktis und einer ihrer prominentesten Bewohner im Sinne eine ausgefeilten Assoziation scheinbar doch zu nah, als dass man daran hätte vorbeischippern können.
Möglicherweise ist den Kreativen von REGJO aber auch eine Weitsicht gegeben, die dem gemeinen Pöbel so fern ist, wie - es liegt grad so nah - ein fliegender Pinguin. Vor ihrem geistigen Auge sehen sie Leipzig im Zuge der Erderwärmung und dem damit verbundenen Schmelzen der Gletscher den Status einer Hansestadt annehmen. Das hätte natürlich auch Auswirkung auf Flor- und Fauna. Verlockende Vorstellung demnächst Pinguine in freier Wildbahn erleben zu können.
Vielleicht wäre der Untergang der nördlich von Mitteldeutschland gelegenen Region dann im Zuge einer thematischen Reihe in der nächsten Ausgabe von REGJO zu beschreiben. Es treten ja Fragen in den Vordergrund, die es zwingend zu diskutieren gilt. Was passiert mit den Menschen? Und müssen wir uns eine neue Hauptstadt küren? Oder sollte der Schuldenberg, auf dem Berlin sitzt, so hoch sein, dass sich die Stadt dann über dem Meeresspiegel befindet und zu einer Insel wird?
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