Madame Spar-Maßnahme
Februar 2008 | Meinung von Sandra Simon | Neue Artikel per Mail erhaltenAußen hui, innen pfui - diese Pressemappe, die mich heute erreichte. Würde sie einen Namen tragen, dann würde sie wohl möglich “Spar Maßnahme” heißen.
Erster Eindruck: “Schön.” Professionell gemacht, Öffnung ausgefallen.
Zweiter Eindruck: “Schön - reicht aber nicht.” Der ahnungslos aufklappende Journalist kann erraten, dass es um ein Pressegespräch geht - steht ja da, auf der CD, die im Deckel klebt. Immerhin. Die erste Annäherung mit Madame “Spar Maßnahme” hat stattgefunden.
Dritter Eindruck: “Schöner Mist.” PR-Texte von Unternehmen. Irritiert klappt der Journalist den Deckel wieder zu, um sich zu vergewissern, mit wem er es zu tun hat. Ach ja, mit Madame “Spar Maßnahme” Kopfschütteln.
Vierter Eindruck: “Was ist denn das für eine schöne Handschrift?” Der immer noch ahnungslose Journalist (und das nach mittlerweile vier Handgriffen und drei Schluck Kaffee) hat die völlig nutzlosen PR-Texte (sechs an der Zahl!) beiseite gepackt und entblättert die Madame “Spar Maßnahme” weiter. Er findet die Agenda. Endlich. Mensch, da hat mir ja schon jemand Notizen per Hand drauf geschrieben, denkt er sich. Wie praktisch. Und auf der nächsten Seite hat man mir sogar das Wichtigste unterstrichen und mich mit Fragezeichen zum Nachdenken angeregt. Also, die denkt ja echt mit, die Madame “Spar Maßnahme”. Gelächter.
Fünfter Eindruck: “Zu schön für meinen Schreibtisch - ab in den Papiermüll damit.”
Fazit: Mit Madame “Spar Maßnahme” ist der ahnungslose Journalist im “Tal der Ahnungslosen” unterwegs. Nicht, dass er eine vollgekritzelte Mappe zur Pressekonferenz per Post geschickt bekommt, er weiß auch schlichtweg nicht, worum es geht. Die Agenda hat weder Titel noch Thema. Es ist ein Pressegespräch mit folgenden Teilnehmern. Schön, und? Die Journalisten haben in der Regel einen Redaktionsplan als Orientierung. Und das aus gutem Grund: Sie wollen nicht nämlich ins “Tal der Ahnungslosen”. Und noch etwas: Liebe Pressestelle, gebt dem Journalisten doch zumindest das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Er gehört zu einer elitären Spezies, die hofiert werden will. Und er durchschaut ziemlich schnell, dass Schönheit noch lange nicht alles ist. Adieu, Madame.
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