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März 2008 | Meinung von Julia Haase | Neue Artikel per Mail erhalten

colors1.jpgWir halten es in den Händen und geben es an andere weiter. Wir verbringen mehr Zeit mit ihm als wir allein sind, dennoch behandeln wir es wie einen Unbekannten. Wir können nicht ohne es sein, aber wir halten nie inne um uns zu fragen, woher es kommt oder wohin es geht.

Die 73.Ausgabe des COLORS-Magazins, die im letzten Monat erschienen ist, widmet sich dem am meisten ersehnten Lebenspartner: dem Geld, in seinen unendlichen Formen und Substanzen. Millionen Mal berührt, wird es befleckt von den Händen seiner Besitzer und ihrer Beschäftigungen - den edelsten und infamsten. Die Reise von COLORS in die Materie und Substanz von Geld führt bis zum Schweiß der Arbeit derer, die einen Mikrokredit zurückzahlen müssen, zur Vereinigung zwischen dritter und erster Welt und zu den “Gewinnern” aus Krieg, Erdöl und Drogen.

Wir haben mit der COLORS-Redaktion gesprochen und Interessantes über das aktuelle Themenkonzept, inhaltliche Schwerpunkte und die Zukunft des Magazins erfahren.

  • Schon die erste Ausgabe des Magazins „Colors“ vor ca. 17 Jahren unterlag einem ausgefallenem Konzept. Auch in der aktuellen Ausgabe wählte man kein Thema, das Standard oder unumstritten ist. Wie sieht das Konzept des Magazins aus? Was uns am meisten interessiert, ist gerade der “umstrittene” Aspekt eines Themas. In diesem Fall handelt es sich um Geld, aber es ist ein Konzept, das wir von Anfang an für jede Ausgabe von COLORS angewendet haben. Schon der Untertitel – ein Magazin, das vom Rest der Welt erzählt – gibt Aufschluss über die Mission der Zeitschrift. Unser Ziel ist es, auf provozierende Weise Aufmerksamkeit zu erregen, das Verhältnis zwischen Text und Bildern umzukehren, das Auge des Lesers zu treffen und ihn dazu bewegen, verstehen zu wollen, auf einer Seite zu verweilen und ein Stück Welt zu sehen, das anderenfalls immer im Dunkeln bleiben würde. Ziel ist es, nicht zu erklären, was schwarz ist und was weiß ist, aber ständig zu hinterfragen, ob weiß wirklich weiß ist und schwarz wirklich schwarz.
  • Was veranlasste Sie dazu, das aktuelle COLORS dem Thema „Geld“ zu widmen? Mit “Geld” war unser kleines Stück Welt der alternativen Wirtschaft gemeint und der anderen Arten, Geld auszudrücken und zu verstehen. In unserem Alltag geht Geld unzählige Male durch unsere Hände, wir hinterlassen auf ihm unauslöschliche Spuren von uns selbst und unseren Beschäftigungen, aber wir halten nie an, um nachzudenken, was Geld eigentlich ist, woher es kommt und welchen Wert es hat. Eine Reise durch unkonventionelle Wirtschaften – die wir gedankenlos als rückständig bezeichnen – war die beste Art, um zum Ursprung der Beziehung zwischen Mensch und Geld zurückzukehren.
  • Welche inhaltlichen Schwerpunkte haben Sie im Magazin gesetzt? Der Schwerpunkt liegt sicherlich auf dem Wissen über Geld, aber es ist ein ironischer, metaphorischer, manchmal auch sarkastischer Schwerpunkt. Das sind Elemente, auf die COLORS seit seiner Entstehung nicht verzichten kann. Im Vergleich zu früheren Ausgaben haben wir aber versucht, ein aufregendes Layout mit Inhalten zu verbinden, die mehr in die Tiefe gehen. Manchmal haben wir uns sogar den Luxus erlaubt, von dieser grauen Materie Wirtschaft zu sprechen, um dem Leser zu sagen, dass das von uns verwendete Geld – Banknoten, Kreditkarten – nicht nur das einzige, sondern auch nicht immer das beste ist.
  • Wie war das Feedback bisher? Wir sind sehr zufrieden, die Ausgabe wird anerkannt und verstanden. Wir glauben stark an diese Ausgabe und an die Erneuerung, die sie für die Tradition der Zeitschrift bedeuten kann. Daher haben wir soeben mit einer Präsentationstour begonnen, die uns durch Europa und Amerika führen wird, mit einigen Abstechern nach Südafrika und in den Mittleren Osten.
  • Äußert sich das Kampagnenkonzept von Benetton, “Africa Works”, im Heft? Tatsächlich gar nicht. Das Magazin ist in Produktion, Ästhetik und Inhalte unabhängig. Gleichzeitig hatten wir aber die Möglichkeit, indem wir von Geld gesprochen haben, dem Thema der Kampagne nahe zu bleiben, ohne uns aber zu überlagern. Wir wollten an Mikrokredit – Thema der Kampagne – als etwas nicht Konventionelles denken, nicht um das Neue darin zu erkennen, sondern die Fähigkeit, das soziale Gefüge zu verändern, ohne es zu zerstören.
  • An welche Zielgruppe richtet sich das Magazin? Die Zielgruppe von Colors ist sicherlich jung, etwa im Alter zwischen 18 und 35. Ein begeisterungsfähiges, anspruchsvolles Publikum, das von einem Magazin etwas mehr verlangt als reine Ästhetik und etwas mehr als einfachen Inhalt.
  • Wie setzt sich Ihr zukünftiges Themenkonzept zusammen? COLORS wird auch in Zukunft immer COLORS bleiben. Es gibt viel vom „Rest der Welt“ zu erzählen und wir wollen es tun, und dabei besonders auf die Beziehung zwischen dem Aussehen des Magazins und seinem Inhalt achten. Um mit der Zeit und der Vormachtstellung von Internet als Quelle für den Zugang zu Informationen Schritt zu halten, muss das Magazin immer mehr zu einem einzigartigen Objekt von hoher Qualität werden.
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