Der fesche Georg
Oktober 2009 | Meinung von Annegret J. Freitag | Neue Artikel per Mail erhaltenSchon mal versucht, beim Standesamt den neuen Stammhalter als “Luka” oder “Kim” durchzubekommen? Wer nicht ein entschlossenes “Friedbert” oder “Adalwolf” oder etwas ähnlich eindeutig männliches als Zweitnamen anfügt, hat da kaum eine Chance. Denn anders als zum Beispiel in den USA gibt es in Deutschland die Vorgabe, dass anhand seines Vornamens ein jeder eindeutig als Männlein oder Weiblein identifiziert werden können muss. Das hilft insofern, als dass bei uns keine Kinder mit Namen wie “Tuesday” (= Dienstag) oder “Brooklyn” (entspräche im Deutschen etwa “Neukölln”) rumlaufen. Doch es beschränkt auch die Freiheit der Eltern, ihr Kind mit genau dem Namen zu strafen, den sie nunmal unbedingt jahrein jahraus durchs Haus brüllen möchten.
Deshalb formiert sich zunehmend Widerstand gegen diese oft als antiquiert empfundene Behördenvorgabe. Besonders mutig geht jetzt zum Beispiel das OnetoOne vorneweg: Warum soll eine offensichtlich als junge Frau erkennbare Person nicht eigentlich den Namen “Georg” tragen dürfen? Auf subtile Weise gelingt es den Machern des Fachmagazins zum Thema Dialogmarketing, Zweifel zu säen am Diktat der Geschlechtertrennung in Sachen Vornamen.

Und wenn jetzt einer sagt, das sei nur ein Zufall und eigentlich nur eine total verunglückte Bild-Text-Kombination - dann hat er die ganze Raffinesse dieser redaktionellen Großtat einfach nicht verstanden. Und wenn ein anderer sagt, dass “Georg Kohl” doch als großer Dienstleister aus der Branche klar als Firmenbezeichnung erkennbar ist, dann hat der keine Ahnung von gutem Fachjournalismus (der nämlich davon ausgehen muss, dass NICHT jeder Leser automatisch jeden Player in einem bestimmten Fachbereich kennt) … und hört bestimmt auf Namen wie “Luka-Friedbert” oder “Kim-Adalwolf”.
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